Die Wette um ihren ersten fremden Kuss
Ehefrau · 21 Minuten lesen · 28 Minuten hören
Gelesen von Rowan
Teil 2 der Serie Ehe neu (10)
Die Wette um den ersten fremden Kuss meiner Ehefrau hatte klare Regeln, und der Zettel mit unseren drei Unterschriften lag seit acht Tagen in der Schublade unter den Tischsets. Lena war vierunddreißig, ich sechsunddreißig, und Jonas, der an diesem Freitag zum Essen kommen sollte, wurde im November vierzig. Wir hatten nichts dem Zufall überlassen, weil ein Kuss außerhalb unserer Ehe nur dann unser blieb, wenn wir ihn vorher in Sätze gefasst hatten. Ich zog die Schublade nicht auf. Ich kannte jeden Satz, und das Wissen allein machte mir seit dem Morgen die Hände unruhig.
Die Wette war nicht aus einem Streit entstanden, sondern aus einem Abend vor drei Wochen, an dem wir nach dem Sex wach gelegen und ehrlicher geworden waren als sonst. Lena hatte gesagt, sie wolle einmal wissen, wie ein fremder Mund schmecke, nicht als Ersatz und nicht als Anfang von etwas, das uns wegnehme. Es solle eine einzige, begrenzte Erfahrung sein, die wir beide kannten und die danach uns gehöre. Ich hatte zuerst geschwiegen, weil Eifersucht und Neugier in derselben Stelle der Brust saßen. Dann hatte ich gefragt, ob sie das wirklich wolle. Sie hatte meine Hand auf ihren Bauch gelegt und gesagt, sie wolle es nur mit Regeln, die lauter seien als der Moment.
Am nächsten Tag hatten wir nicht darüber gelacht. Wir hatten Kaffee getrunken und den Zettel beschrieben, Satz für Satz, und jeder Satz musste uns beiden recht sein. Ein Kuss, nicht zwei. Lena bestimmte Anfang und Ende. Hände blieben über der Kleidung und über der Taille, seine und ihre. Ich blieb im Raum und durfte das Wort sagen, das alles abbrach, dasselbe Wort, das sie ohne Begründung sagen durfte. Kein Foto, keine Nachricht danach, kein Erzählen vor anderen. Danach gehörte der Abend wieder nur uns, und Jonas sollte gehen, sobald der Kuss zu Ende war. Wer unsicher wurde, verlor nichts: die Wette galt dann als nicht gespielt.
Die Wette selbst war schlicht gewesen. Lena hatte behauptet, sie könne eine Woche lang kein einziges Mal nach dem Handy greifen, wenn es in der Schublade lag, und ich hatte dagegen gehalten, weil ich sie kannte. Der Einsatz stand fest, bevor die Woche begann. Gewann sie, kochte ich einen Monat und stellte keine Fragen über den Kuss, der dann nicht stattfand. Verlor sie, luden wir Jonas ein, und der Zettel galt. Sie verlor am fünften Abend, nicht dramatisch, nur weil eine Freundin anrief und sie aus Gewohnheit ranging. Sie legte das Handy auf den Tisch, sah mich an und sagte, dann gelte also der Zettel. In ihrer Stimme lag kein Bedauern, eher eine Erlaubnis, die sie sich allein nicht so leicht gegeben hätte.
Jonas kannten wir seit Jahren, nicht flüchtig, sondern als den Mann, der bei unserem Umzug den schweren Schrank getragen hatte und der an Silvester meist der Letzte am Tisch war. Er war geschieden, lebte allein, und er hatte Lena nie auf eine Weise angesehen, die mich störte. Als wir ihn fragten, taten wir es nicht per Nachricht. Lena rief ihn an, ich saß neben ihr, und sie sagte den Satz, den wir geübt hatten, ohne ihn steif zu machen. Es gehe um einen Kuss, ihren ersten mit einem anderen Mann seit unserer Hochzeit, und er dürfe nur ja sagen, wenn er den Zettel vorher lese. Er schwieg einen Moment.
Dann sagte er, er komme zum Essen, lese, und entscheide erst danach. Wenn er bleibe, dann weil sie es wolle und nicht weil eine Wette ihn verpflichte. Das war seine Bedingung, und sie gefiel mir, weil sie den Einsatz an den richtigen Platz rückte. Ein Einsatz ist kein Befehl. Lena lachte kurz und sagte, genau so habe sie es verstanden. In den Tagen danach schrieben wir nicht darüber. Jonas nannte nur die Uhrzeit und schrieb, er bringe Wein mit, aber wir müssten nicht trinken. Wir beschlossen, jeder höchstens ein Glas zu nehmen, weil Klarheit zu diesem Abend gehörte, auch wenn sie nicht auf dem Zettel stand. Ich wollte ihre Augen klar sehen.
Die Woche bis Freitag zog sich hin. Lena arbeitete, kam nach Hause, kochte, und manchmal blieb sie in der Küchentür stehen und sah mich an, als prüfe sie, ob ich noch derselbe sei. Ich war es, und ich war es nicht. Nachts lag ich hinter ihr und spürte, dass sie nicht sofort einschlief. Einmal drehte sie sich um und sagte, sie habe Angst, es könne sich falsch anfühlen, und zugleich wolle sie es so klar, dass die Angst sie nur noch begleite. Ich küsste sie auf die Stirn und sagte, wir könnten den Zettel zerreißen, ohne dass jemand verlöre. Sie schüttelte den Kopf an meinem Hals. Sie wolle nicht zerreißen. Sie wolle wissen.
Am Freitag räumte ich früher auf als nötig. Ich stellte Gläser bereit, schnitt Brot, stellte die Butter in die Wärme und merkte, dass meine Sorgfalt nur eine Form von Unruhe war. Lena kam aus dem Bad in einem schlichten schwarzen Kleid, nicht festlich und nicht nachlässig, die Haare offen, barfuß auf den Fliesen. Ich sagte, sie sehe aus wie sie selbst, und das schien ihr zu genügen. Sie stellte sich an den Herd, rührte in der Sauce und fragte, ohne mich anzusehen, ob ich den Zettel noch auswendig könne. Ich sagte die ersten Zeilen auf. Sie nickte und sagte, dann müsse sie heute nicht so tun, als sei irgendetwas eine Überraschung.
Jonas kam pünktlich, mit einer Flasche, die er auf die Anrichte stellte und nicht öffnete, bevor wir es sagten. Er umarmte mich kurz, wie immer, und Lena gab er die Hand, was neu war und was ich verstand. Er wollte den Abend nicht mit einer Beiläufigkeit beginnen, die später wie ein Vorgriff gewirkt hätte. Er trug ein helles Hemd, die Ärmel einmal umgeschlagen, und er roch nach Seife, nicht nach einem Duft, der einen Raum einnehmen will. Wir aßen in der Küche, weil der Tisch dort kleiner ist und kleine Tische weniger Theater erlauben. Es gab Pasta, Tomatensauce, Salat und Brot. Niemand sprach in den ersten Minuten über den Zettel. Wir redeten über die Hitze, die nicht aus dem Hof wich.
Trotzdem war der Zettel so deutlich im Raum wie ein viertes Gedeck. Lena aß langsam und hob das Glas nur an die Lippen, ohne wirklich zu trinken. Jonas bemerkte es und kommentierte es nicht. Er fragte nach ihrer Arbeit, hörte zu und lachte an der richtigen Stelle. Als sie von einem schwierigen Kunden erzählte, legte sie die Hand flach auf den Tisch, nah an meiner, nicht an seiner. Diese Geste beruhigte mich mehr als jeder Satz, denn sie wählte schon, bevor der Kuss begann. Ich drehte die Handfläche nach oben, und sie legte die Finger hinein, kurz, dann aß sie weiter. Draußen klapperte ein Fahrrad im Hof.
Nach dem Essen räumten wir gemeinsam ab, und das Geräusch von Wasser und Porzellan nahm dem Abend für ein paar Minuten das Feierliche. Jonas trocknete, ich spülte, Lena stellte Teller weg. Als die Spüle leer war, trocknete sie die Hände und sagte, sie hole jetzt den Zettel. Ihre Stimme war fest. Sie zog das Papier aus der Schublade, strich es auf dem Tisch glatt und blieb stehen. Jonas setzte sich nicht, und ich setzte mich auch nicht. Drei Erwachsene um einen Küchentisch, das Fenster offen, von unten noch das leise Rollen eines Fahrrads, das schon vorbei war. Lena sah Jonas an und sagte, er solle selbst lesen, laut, damit wir alle dieselben Wörter hörten. Niemand sollte später sagen können, er habe etwas anders verstanden.
Jonas nahm den Zettel und las langsam, ohne zu stocken und ohne zu scherzen. Ein Kuss, nicht mehr mit ihm. Lena beginne und Lena beende. Hände über der Kleidung, über der Taille. Ich im Raum, mit dem Recht, abzubrechen, und sie mit demselben Recht, ohne Begründung. Kein Bild, keine Erzählung außerhalb dieses Abends. Danach gehe er. Wenn jemand unsicher sei, gelte die Wette als nicht gespielt, und niemand schulde mehr als ein Nein. Er legte das Papier zurück und sagte, er habe verstanden. Er wolle es nur, wenn sie es in diesem Moment noch wolle, nicht wegen einer verlorenen Woche ohne Handy. Lena sah mich an. Ich nickte, weil ich da war und die Regeln hielt. Dann sagte sie zu Jonas, sie wolle es, jetzt, hier, einmal.
Sie stellte sich nicht sofort vor ihn. Sie kam zuerst zu mir, legte die Stirn an meine Schulter und atmete einmal tief. Ihr Herz ging schneller, als ihr Gesicht zeigte. Ich sagte leise, sie könne aufhören, bevor es anfange, und es sei dann trotzdem richtig gewesen. Sie hob den Kopf. Die Angst war noch in ihren Augen, aber sie war nicht mehr die Lauteste. Sie sagte, sie wisse das, und gerade deshalb könne sie anfangen. Dann trat sie einen Schritt zurück, strich eine Strähne hinters Ohr und ging um den Tisch. Jonas rührte sich nicht, bis sie vor ihm stand. Er fragte, ob er die Hände an ihre Taille legen dürfe, über dem Kleid. Sie sagte ja. Er fragte, ob sie den Kuss beginnen wolle. Sie sagte ja, und dann tat sie es selbst.
Sie legte eine Hand an seinen Nacken, nicht fest, eher wie jemand, der sich an einer Türzarge orientiert, und hob das Gesicht. Ich stand an der Spüle, drei Schritte entfernt, die Hände auf dem Rand, und sah alles. Jonas beugte sich ihr entgegen, langsam genug, dass sie hätte zurückweichen können, und sie wich nicht zurück. Ihre Lippen trafen seine zuerst geschlossen, ein kurzes, prüfendes Berühren. Ich hörte, wie sie durch die Nase einatmete, scharf und klein. Dann öffnete sie den Mund ein wenig. Es war ein Kuss, den eine Frau führt, die beschlossen hat, etwas zu wissen. Ihre Schulter senkte sich, als die erste Spannung aus ihr wich, und seine Hände blieben flach an der Taille, die Finger still.
Der Kuss wurde tiefer, ohne hastig zu werden. Lena neigte den Kopf, und ich kannte diese Neigung, weil sie sie bei mir tat, wenn sie mehr wollte und es nicht aussprach. Bei ihm wirkte dieselbe Bewegung neu, weil der Hals nicht meiner war und weil ich sie von außen sah. Die Schärfe dieses Blicks machte mich zugleich eng und hell. Ihre freie Hand lag an seiner Brust, nicht wandernd, nur da, als brauche sie einen zweiten Punkt. Aus ihrer Kehle kam ein leises Geräusch, kein Stöhnen, eher das, was entsteht, wenn Atem auf Atem trifft. Jonas küsste sie aufmerksam. Er drängte nicht. Er nahm, was sie gab, und gab zurück, was sie öffnete. Ich hasste ihn in dieser Minute nicht, und das überraschte mich mehr als der Kuss.
Ich sah ihre Lippen, feucht jetzt, und die Art, wie sie sich lösten und wieder fanden. Einmal öffnete sie die Augen einen Spalt, und ihr Blick ging nicht zu mir, sondern ins Leere neben seinem Ohr, nach innen. Dann schloss sie die Augen und küsste weiter, und ihre Finger zogen ihn einen halben Zentimeter näher. In diesem Moment spürte ich die Eifersucht als Hitze im Bauch, nicht als Gedanken. Meine Frau küsste einen anderen Mann, und sie tat es gut, und sie tat es, weil sie es gewollt hatte. Ich hielt das Wort bereit, das alles beendet hätte, und ich sprach es nicht aus. Ich wollte sehen, wie weit ihr eigener Wunsch in diesem einen Kuss reichte, solange die Hände blieben, wo sie waren.
Jonas hob eine Hand, als wolle er an ihre Wange, und hielt inne, weil wir über das Gesicht nicht gesprochen hatten. Er entschied sich für die strengere Lesart, und die Hand kehrte an ihre Taille zurück. Lena merkte es. Ein kleines Lächeln geriet in den Kuss, an den Mundwinkeln, und es gehörte der Regel und vielleicht mir, der es sehen konnte. Sie küsste ihn danach noch einmal richtig, mit Zunge, langsam. Ich sah die leichte Arbeit ihrer Wange und spürte, wie mein eigener Körper antwortete, ohne dass ich es gewählt hätte. Es war nicht nur Eifersucht. Es war das Bild ihrer Lust an etwas Neuem und die Tatsache, dass sie es vor mir tat, unter Sätzen, die wir geschrieben hatten.
Sie beendete es selbst. Sie löste den Mund, blieb aber nah, die Stirn fast an seiner, und atmete. Ihre Lippen waren gerötet und offen. Sie sagte, das sei der Kuss, und damit sei er vorbei. Ihre Stimme war tiefer als vor dem Essen. Jonas nahm die Hände sofort von ihrer Taille, trat einen halben Schritt zurück und nickte. Er sagte danke, ohne den Ton eines Mannes, der mehr erwartet. Er sah mich an, nicht triumphierend, eher so, als gebe er etwas zurück, das er nur kurz gehalten hatte. Ich nickte. Lena strich das Kleid glatt, obwohl es nicht verrutscht war, und diese häusliche Geste machte mir die Kehle eng. Der fremde Kuss war geschehen und genau so groß geblieben, wie der Zettel ihn gemacht hatte.
Jonas nahm seine Jacke von der Stuhllehne und ließ den Wein stehen. Er sagte, der sei für uns, nicht für den Abschied. An der Tür sagte er zu Lena, sie habe ihn gut geführt, und zu mir, die Regeln seien klar gewesen und er habe sie gehalten. Dann ging er. Die Tür fiel ins Schloss, das Treppenhaus schluckte seine Schritte, und in der Küche wurde es sehr still. Lena stand am Tisch, sah den Zettel an und dann mich. Sie sagte, sie habe es getan. Ich sagte, ich hätte es gesehen. Sie blieb einen Moment stehen, als müsse sie den Geschmack sortieren, bevor sie den Weg zurück selbst ging. Die nächste Regel stand nicht auf dem Papier und galt trotzdem: der Abend gehörte wieder uns.
Sie kam um den Tisch, und ich hatte mich gesetzt, ohne es recht zu merken. Sie stellte sich zwischen meine Knie und nahm mein Gesicht in beide Hände. Ihr Mund war nah. Ich roch Wein, obwohl sie kaum getrunken hatte, Tomate, und darunter einen dünnen Hauch, der nicht von unserem Essen kam. Vielleicht war es nur Einbildung, vielleicht seine Seife an ihrer Wange, wo er sie nicht einmal berührt hatte. Sie sagte, ich solle sie küssen, nicht um zu löschen, sondern um zu überschreiben. Ich verstand den Unterschied, und er machte mich härter, als ein einfaches Vergessen es getan hätte. Ich küsste sie. Ihr Mund war warm und schon offen, und er war meiner auf eine Weise, die durch den anderen Kuss genauer wurde, nicht kleiner.
Sie stieg auf meinen Schoß, das Kleid rutschte an den Oberschenkeln hoch, und sie küsste mich mit einem Hunger, den der fremde Kuss geweckt und nicht gestillt hatte. Ihre Hände waren in meinem Haar. Meine Hände fanden den Reißverschluss, und ich hielt inne. Ich fragte, ob sie hier in der Küche bleiben wolle oder ins Schlafzimmer. Sie sagte, hier, sie wolle nicht, dass der Weg dazwischen das Gefühl abkühle. Sie sagte auch, sie sei ganz da, klar im Kopf, und sie wolle mich, nicht die Idee von ihm. Das letzte sagte sie, ohne dass ich gefragt hätte, und es war wichtig. Ich zog den Reißverschluss auf, und meine Hand fand warme Haut neben der Wirbelsäule, das leichte Beben, das sie hat, wenn sie erregt ist. Diesmal verbarg sie es nicht.
Sie drückte den Mund an meinen Hals und sagte, ich solle ihr das Kleid ausziehen. Ich schob es von den Schultern. Sie trug darunter nichts, was ich nicht erwartet hatte und was mir sagte, dass sie den Abend am Körper entschieden hatte, nicht nur auf dem Papier. Ihre Brüste waren frei, die Brustwarzen schon fest. Ich beugte mich vor und nahm eine in den Mund, langsam, die Zunge über die Spitze. Sie zog die Luft ein und hielt meinen Kopf fest. Ich küsste die andere Brust, und sie bewegte die Hüften gegen die Härte in meiner Hose. Sie sagte, seine Hände seien so still gewesen und meine seien es nicht, und genau das wolle sie jetzt.
Ich stand mit ihr auf, das Kleid fiel auf die Fliesen, und sie stand im schwarzen Slip vor mir, barfuß, die Haare durcheinander. Die Lippen waren von zwei Küssen beansprucht. Ich zog das Hemd aus. Sie öffnete meinen Gürtel mit der Sicherheit einer Frau, die ihren Mann kennt und ihn gerade neu haben will. Hose und Shorts gingen zusammen herunter. Mein Glied stand frei und schwer, und sie legte die Hand darum, fest, einmal von der Wurzel zur Spitze. Der Daumen strich über die feuchte Stelle an der Öffnung. Sie sagte, ich sei so hart, weil ich zugesehen habe. Ich sagte ja. Es hatte keinen Sinn, das kleiner zu machen, als es war.
Sie schob sich ein Tuch unter die Knie, eine praktische Geste, und ging auf den Küchenboden. Dass sie bleiben wollte, lange genug, um es sich bequem zu machen, erregte mich fast mehr als die Geste selbst. Ihr Mund um mich war heiß und entschieden. Sie nahm mich tief, die Lippen fest, die Zunge unten entlang, und sah zu mir hoch. Ich hielt ihre Haare zurück, nicht um sie zu führen, sondern um ihr Gesicht zu sehen. Die Augen waren dunkel und klar. Sie löste sich, leckte langsam die Unterseite, küsste die Spitze und nahm mich wieder auf. Ein Laut kam aus mir, den ich nicht dämpfte. Das offene Fenster war mir gleich. Sie arbeitete mit Hand und Mund, feucht und gleichmäßig, und ich merkte, wie nah ich schon war.
Ich sagte ihren Namen und bat sie zu warten, weil ich in ihr kommen wollte, nicht so. Sie ließ mich aus dem Mund gleiten, die Lippen glänzend, und lächelte kurz und echt. Ich half ihr hoch und drehte sie zum Tisch, mit einer Frage im Griff, und sie antwortete, indem sie sich mit beiden Händen aufstützte. Der Rücken war leicht durchgedrückt. Der Zettel lag neben ihrer linken Hand, unsere Unterschriften nach oben. Ich schob den Slip an den Schenkeln herunter, und sie stieg heraus. Zwischen ihren Beinen war sie nass, die Scham warm und geschwollen, und zwei Finger glitten ohne Widerstand durch die Feuchtigkeit. Sie senkte den Kopf und sagte, das sei von dem Kuss und von mir, von beidem, und sie wolle, dass ich es wisse.
Ich schob die Finger in sie und spürte, wie sie sich darum schloss, weich und eng zugleich. Mit dem Daumen fand ich ihren Kitzler und rieb kreisend, nicht zu schnell, so wie sie es mag, wenn sie schon hoch ist. Sie drückte sich gegen meine Hand. Der Tisch knirschte leise. Der Zettel bewegte sich einen Zentimeter unter ihrem Atem. Ich zog die Finger heraus und führte mein Glied durch ihre Nässe, einmal, zweimal, bis sie ungeduldig zurückdrückte. Ich sagte, sie solle es sagen, wenn sie mich so wolle. Sie sagte, sie wolle mich so, jetzt, tief. Ich drang in sie ein, in einem langen Zug, und Wärme und Enge nahmen mir für einen Moment die Küche weg. Sie stöhnte offen.
Ich blieb tief und wiegte mich kaum, damit sie mich ganz spürte. Meine Hände lagen an ihren Hüften, dort, wo vorhin seine gelegen hatten, damals über Stoff und jetzt auf nackter Haut. Der Unterschied war so groß, dass er mich ruhiger machte. Ich hatte ihren Rücken unter den Lippen, als ich mich vorbeugte und zwischen die Schulterblätter küsste. Dann bewegte ich mich fester, jeder Stoß so tief, dass sie nach vorn rutschte und sich neu feststemmte. Das Geräusch von Haut wurde deutlicher, und ihr nasser Laut begleitete jedes Hineingleiten. Eine Hand griff um sie herum, fand den Kitzler wieder und rieb im Takt. Sie wurde lauter, der Kopf zwischen den Schultern, die Haare nach vorn.
Ich sah die Linie ihres Rückens, die Grübchen über dem Hintern, die Röte, die von der Anstrengung in die Haut stieg. Sie sagte, sie habe seinen Mund gespürt und spüre jetzt mich, und das sei mehr, das sei unseres. Der Satz brach ab, weil ein Stoß ihn ihr nahm. Ich wollte ihr Gesicht. Ich zog mich zurück, drehte sie um, hob sie auf den Tisch, und sie öffnete die Schenkel und zog mich wieder in sich. Ihr Mund schmeckte nach uns beiden, und ich küsste sie mit der Langsamkeit des fremden Kusses und mit allem, was ihm nicht erlaubt gewesen war. Sie schlang die Beine um meine Hüften. Ich stieß nach oben, die Hände unter ihrem Hintern, und sie hielt mein Gesicht und sah mich an.
Ihre Augen waren nass vor Anstrengung, nicht vor Trauer. Sie sagte, sie sei froh, dass ich nicht abgebrochen habe. Ich sagte, ich auch, und ich meinte es, obwohl die Eifersucht noch als süßer Schmerz in den Stößen lag. Sie kam mir mit dem Becken entgegen, offen und fordernd. Jedes Mal, wenn ich ganz in ihr war, zog sie mich an den Haaren näher an ihren Mund. Sie wollte sicher sein, dass kein anderer Geschmack zwischen uns blieb, nur die Erinnerung, die sie behalten durfte. Ihre Spannung kündigte sich an, wie ich sie kannte: die Schenkel fester, der Atem kürzer, die Muskeln in kleinen Griffen um mein Glied. Ich rieb ihren Kitzler mit dem Daumen und sagte, sie solle kommen, ich sei hier, ich sehe sie. Sie hielt meinen Blick, so lange sie konnte.
Dann warf sie den Kopf zurück, der Mund offen, und der Orgasmus lief in langen Wellen durch sie. Ich spürte das Ziehen in der Hand und in mir, ein Pulsieren, ein Laut, der an der Küchenwand hing und nicht höflich war. Ich bewegte mich langsamer und tiefer durch die Wellen, und sie zuckte und hielt mich mit den Beinen fest. Als es nachließ, lachte sie einmal, atemlos, und küsste mich ungeschickt auf den Mundwinkel. Sie sagte, ich solle nicht aufhören, sie wolle, dass ich auch komme, in ihr. Ich hatte nicht mehr viel Rand. Ihr Gesicht, die Feuchtigkeit, die Enge danach und der ganze Abend drückten mich an die Grenze. Ich stieß schneller, die Stirn an ihrer, und sie flüsterte, ja, so, sie nehme mich.
Ich kam mit einem Laut, den ich an ihrem Mund erstickte, tief in ihr, in mehreren harten Schüben. Die Beine wurden unsicher, die Hände fest an ihrer Taille. Sie hielt mich, die Fersen in meinem Kreuz, und sagte nichts Kluges, nur meinen Namen, zweimal, leise. Markus, sagte sie, und noch einmal Markus, als müsse der Name mich im Raum festnageln. Ich blieb in ihr, bis das Zucken aufhörte, die Stirn an ihrer Schulter, der Atem laut in der stillen Küche. Draußen fuhr ein Auto vorbei. Der Zettel lag halb unter ihrem Oberschenkel, warm von ihrer Haut, die Tinte unverändert. Wir lösten uns nicht sofort. Sie strich mir über den Nacken, langsam, als zähle sie mich zurück.
Als ich hinausglitt, lief Wärme an ihr herunter auf den Tischrand, und sie sah hin, ohne verlegen zu werden. Sie bat um ein Tuch und darum, dass ich nah blieb. Ich nahm das Tuch, das vorhin unter ihren Knien gelegen hatte, und wischte sie behutsam, dann mich, dann die kleine Spur auf dem Holz. Sie rutschte vom Tisch, lachte über ihre unsicheren Knie, und ich hielt sie, bis sie fest stand. Sie lehnte nackt an mir, die Küche roch nach Essen und nach Sex, und das offene Fenster kühlte den Schweiß auf unseren Rücken. Ich küsste sie auf die Schläfe. Sie sagte, der Kuss sei fremd gewesen und gut und klein gegen das hier.
Wir setzten uns auf den Boden, den Rücken an den Schränken, weil die Stühle sich zu ordentlich anfühlten, und teilten ein Glas Wasser. Lena zog das Kleid über die Beine, ohne hineinzusteigen, nur als Decke, und ich legte den Arm um sie. Der Zettel lag noch auf dem Tisch. Sie bat mich, ihn zu holen, und ich reichte ihn ihr. Sie las ihn noch einmal leise, nicht zur Prüfung, sondern wie einen Brief, dessen Inhalt man schon gelebt hat. Am Ende sagte sie, wir hätten gehalten, was darauf stehe. Ich sagte ja. Sie legte das Papier auf mein Knie und sagte, wir könnten es aufheben oder zerreißen, ihr sei beides recht, weil es seine Arbeit getan habe.
Ich sagte, wir heben ihn auf, nicht als Einladung zu einem zweiten Mal, sondern als Beweis, dass ein Wunsch Regeln haben kann und daran nicht stirbt. Sie nickte und wurde stiller, auf die gute Art, die nach einem langen Laut kommt. Eine Weile sagten wir nichts. Ihr Kopf lag an meiner Schulter, ihr Atem wurde länger, und die Müdigkeit war nicht leer. Ich dachte an Jonas im Treppenhaus, an seinen anständigen Abschied, und empfand weder Dankesschuld noch Groll. Ein anderer Mund hatte meine Frau geküsst, und sie war danach zu mir zurückgekommen, nicht aus Pflicht, sondern mit einem Satz, den sie selbst gewählt hatte. Lena sprach, ohne den Kopf zu heben.
Sie sprach doch noch, leise, an meiner Schulter. Sie sagte, sein Mund sei wärmer gewesen, als sie gedacht habe, und unsicherer, und genau das habe sie beruhigt, weil ein sicherer fremder Mund sie vielleicht erschreckt hätte. Ich hörte zu und strich ihr über den Arm. Sie sagte, sie habe in dem Kuss einmal an mich gedacht, nicht als Vergleich, der ihn klein machen sollte, sondern als den Ort, zu dem sie zurückwolle. Das war kein Trost, den sie mir schuldete. Es klang nach einer Frau, die etwas geprüft und für wahr befunden hatte. Ich küsste ihr Haar und sagte nichts dazu, weil ein Satz von mir es nur kleiner gemacht hätte.
Sie sagte, sie werde den Geschmack noch eine Weile wissen, und sie wolle ihn nicht verstecken und nicht als Gast behalten, der nicht gehen will. Ich antwortete, dann solle sie ihn erzählen, wenn er komme, und gehen lassen, wenn er gehe. Sie küsste meine Schulter, trocken und müde. Draußen war der Hof dunkel geworden. Auf meinem Knie lag der Zettel mit drei Unterschriften unter einem Kuss, der genau einmal geschehen war und der uns nicht kleiner gemacht hatte.
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