Die letzte Nacht vor der Abreise
Ehefrau · 17 Minuten lesen · 23 Minuten hören
Gelesen von Edward
Teil 3 der Serie Ehe neu (10)
Morgen um sechs sollte das Taxi vor der Tür stehen. Die Koffer lagen schon im Flur, zwei große und ein kleiner, und über dem kleinen hing Lenas Strickjacke, die sie im Flugzeug immer um die Schultern legte. Ich war fünfunddreißig, Lena dreiunddreißig, und wir verließen am nächsten Morgen die Straße, in der wir vier Jahre gewohnt hatten, weil in Hamburg eine Stelle auf mich wartete, die sich nicht verschieben ließ. Eine letzte Nacht blieb uns in dem Haus mit den hellen Dielen, dem quietschenden Fenster zum Garten und dem Geruch von frischer Farbe, der aus der Wohnung nebenan herüberzog.
Jonas war achtunddreißig und vor drei Wochen eingezogen. Er hatte die Wände selbst gestrichen, abends mit offenem Fenster, und Lena hatte ihm an einem Samstag eine Kanne Kaffee hinübergereicht, weil der Geruch bis in unsere Küche stand. Daraus war mehr geworden, als wir beide zuerst laut ausgesprochen hatten. Wir hatten es in Ruhe besprochen, bei zugezogener Tür und ohne Wein, damit keiner sich hinter einem Glas verstecken konnte. Lena wollte ihn. Ich wollte zusehen. Er wollte nur, wenn wir beide es klar und ohne Druck wollten.
Um neun klingelte er. Ich öffnete, und er stand im Flurlicht mit einer Flasche Rotwein und dem offenen Hemdkragen, die Ärmel bis zu den Unterarmen hochgeschoben. Er roch nach Seife und nach der kühlen Abendluft draußen. Lena kam aus dem Schlafzimmer, barfuß, in dem dunklen Kleid, das sie sonst nur zu Essen trug, an denen sie nicht heim wollte. Sie war nicht geschminkt für eine Bühne. Sie hatte sich nur die Haare gelöst, und sie lagen ihr schwer über die eine Schulter.
Wir setzten uns an den niedrigen Tisch im Wohnzimmer. Die Koffer im Flur waren von hier aus zu sehen, und niemand tat so, als wären sie nicht da. Jonas schenkte ein, langsam, und fragte, wann der Flug ging und ob die Wohnung in Hamburg schon Schlüssel hatte. Lena antwortete mit ruhiger Stimme. Ich hörte ihr zu und sah zugleich, wie ihr Knie unter dem Tisch näher an seines rückte, nicht aus Versehen, sondern als eine kleine, deutliche Bewegung, die sie mir nicht verbarg.
Ich sagte, dass wir den Abend so wollten, wie wir ihn besprochen hatten, und dass jeder jederzeit aufhören konnte. Das Wort dafür war Halt. Jonas nickte und wiederholte es, ohne zu lächeln, als wäre es ihm wichtig, dass es im Raum stand und nicht nur in einer Erinnerung an ein früheres Gespräch. Lena legte ihre Hand auf meine, warm und trocken, und sagte, sie wolle ihn heute Nacht, hier, vor mir, und danach wolle sie neben mir einschlafen. Ich drückte ihre Finger und sagte, dass ich genau das wollte.
Eine Weile tranken wir nur. Draußen fuhr ein einzelnes Auto die Straße hinunter und verschwand. Die Lampe über dem Tisch brannte niedrig, und das Licht lag auf Lenas Schlüsselbein und auf dem Rand von Jonas’ Glas. Er erzählte von der Arbeit in der Werkstatt, von einem Auftrag, der sich verzogen hatte, und Lena hörte ihm so zu, wie sie Menschen zuhört, wenn sie sie wirklich ansehen will. Ich kannte diesen Blick. Er galt sonst mir, an Abenden, an denen wir zu müde für Worte waren und trotzdem nah.
Sie stand auf, um die Flasche zu holen, und als sie zurückkam, setzte sie sich nicht wieder auf ihren Platz. Sie setzte sich auf die Armlehne neben Jonas, das Kleid über dem Knie gerafft, und hielt ihm ihr Glas hin. Er schenkte nach und ließ die Flasche stehen. Seine Hand blieb einen Augenblick an ihrem Handgelenk, fragend, und sie drehte die Handfläche nach oben, damit er sie halten konnte. Ich saß im Sessel gegenüber und spürte, wie mir das Blut in die Schläfen stieg, nicht aus Angst, sondern aus diesem engen, hellen Ziehen, das ich seit Wochen kannte und endlich nicht mehr nur gedacht haben wollte.
Jonas sah zu mir herüber. Er fragte, ob er sie küssen dürfe. Ich sagte ja. Lena sagte ja, leiser, und beugte sich zu ihm, bevor einer von uns den Satz noch einmal wiederholen musste. Der Kuss war zuerst vorsichtig, Mund auf Mund, kein Theater. Dann öffnete sie die Lippen, und ich sah, wie seine Hand in ihren Nacken glitt und sie näher zog. Ein leises Geräusch kam aus ihrer Kehle, kaum mehr als ein Atem, und es traf mich tiefer als jeder Laut, den ich mir vorher ausgemalt hatte.
Sie küssten sich lange. Lena legte eine Hand an seine Brust, über das Hemd, und die andere blieb auf seinem Oberschenkel, ruhig, als wolle sie sich selbst vergewissern, dass sie bleiben durfte. Jonas küsste sie am Mundwinkel, an der Wange, unter dem Ohr, und sie neigte den Kopf, damit er an den Hals kam. Ich saß still. Mein Glas stand unberührt. Ich wollte nichts zwischen mir und dem Bild haben, nicht einmal den Geschmack von Wein.
Lena löste sich und sah mich an. Ihre Lippen waren dunkler, ihr Atem kürzer. Sie fragte, ob es für mich noch stimmte. Ich sagte, es stimmte, und meine Stimme war rauer, als ich erwartet hatte. Sie stand auf, kam zu mir herüber und küsste mich, kurz und klar, mit dem Geschmack eines anderen Mannes noch auf der Zunge. Dann sagte sie, sie wolle, dass ich zusah, ganz, und dass ich nichts tun müsse, was ich nicht wolle. Ich nickte an ihrem Mund und ließ sie gehen.
Jonas erhob sich ebenfalls. Er war größer als ich, breiter in den Schultern, und im Stehen wirkte das Wohnzimmer enger. Lena stellte sich vor ihn und begann, sein Hemd aufzuknöpfen, Knopf für Knopf, ohne Eile. Darunter war seine Brust warm und leicht behaart, die Haut am Bauch glatt, wo das Licht hinfiel. Sie strich mit beiden Händen darüber, langsam nach unten, und er atmete hörbar aus. Ich sah, wie sich unter seiner Hose schon etwas spannte, und mein eigener Körper antwortete so schnell, dass ich die Hände auf die Lehnen legen musste.
Er fand den Reißverschluss an ihrem Rücken. Er fragte noch einmal, leise, und sie sagte bitte. Der Reißverschluss ging auf, und das Kleid rutschte von ihren Schultern. Darunter trug sie nichts als einen schmalen schwarzen Slip. Ihre Brüste waren voll, die Brustwarzen schon fest in der kühleren Luft des Zimmers, und die Sommersprossen auf ihrer Brust kannte ich aus so vielen Nächten, dass sie mir in diesem Licht neu vorkamen, weil ein anderer sie zum ersten Mal sah. Jonas betrachtete sie ohne Hast. Er legte die Hände um ihre Taille und küsste sie zwischen die Brüste, dann auf die linke, dann nahm er eine Brustwarze in den Mund.
Lena stöhnte, offen diesmal, und ihre Hand fuhr in sein Haar. Sie bog den Rücken, bot sich ihm an, und ich sah, wie ihre Hüften eine kleine Bewegung machten, vor und zurück, als suche ihr Körper schon mehr. Jonas saugte, leckte, wechselte zur anderen Seite, und mit der freien Hand strich er über ihren Bauch bis an den Bund des Slips, ohne darunterzugreifen. Er wartete. Lena flüsterte, dass er weitermachen solle, und sah dabei zu mir, nicht zu ihm. Ich hielt ihrem Blick stand und sagte nichts, weil mein Gesicht schon alles sagte.
Sie schob ihm das Hemd von den Schultern. Er ließ es fallen. Dann öffnete sie seinen Gürtel, die Hose, und schob beides hinunter, bis er aus den Schuhen stieg und nackt vor ihr stand. Sein Schwanz war hart, dick, etwas länger als meiner, die Eichel schon frei und dunkel. Lena betrachtete ihn mit einem Ausdruck, den ich an ihr liebte und selten so unverstellt sah: Hunger ohne Scham. Sie umfasste ihn mit der Hand, einmal von der Wurzel bis zur Spitze, und Jonas schloss kurz die Augen.
Ich stand auf, nicht um dazwischenzugehen, sondern weil ich näher sein wollte. Ich setzte mich auf die Kante des Sofas, zwei Schritte von ihnen entfernt, und Lena warf mir einen Blick zu, der fragte und zugleich dankte. Jonas drehte den Kopf. Ich sagte, er solle sie anfassen, wo sie es wollte. Er nickte. Seine Hand glitt in ihren Slip, von vorn, und ich sah an der Bewegung seiner Finger, dass er sie zwischen den Schamlippen fand und dort blieb. Lena keuchte. Ihre Knie gaben ein wenig nach. Sie stützte sich an seiner Schulter ab und drückte sich seiner Hand entgegen.
Er zog ihr den Slip aus, langsam, über die Hüften, die Schenkel, die Knöchel. Sie stieg heraus und stand nackt zwischen uns, die Haut am Bauch leicht gerötet von seiner Hand, die inneren Schenkel schon glänzend. Ich kannte den Geruch, der jetzt in die warme Luft stieg, süß und salzig und eindeutig. Er machte mich so hart, dass die Hose spannte und ich sie öffnen musste, nur um atmen zu können. Lena sah das und lächelte, klein und echt, bevor sie sich wieder Jonas zuwandte.
Sie ging auf die Knie. Der Teppich war dünn, und ich wollte schon sagen, dass der Boden hart sei, aber sie schüttelte den Kopf, als hätte sie den Gedanken gehört, und zog ein Kissen heran. Dann nahm sie Jonas in den Mund. Zuerst nur die Eichel, die Zunge darunter, die Lippen fest, dann tiefer, in einem ruhigen Rhythmus, den sie selbst bestimmte. Jonas legte eine Hand in ihr Haar, nicht drückend, nur haltend, und die andere ballte er an seiner Seite. Sein Atem wurde kurz. Er sah auf sie hinunter und dann zu mir, als wolle er sicher sein, dass das Bild, das er abgab, noch willkommen war.
Es war willkommen. Ich hatte meine Hose geöffnet und hielt mich selbst, langsam, ohne zu kommen, weil ich den Abend nicht in den ersten Minuten verlieren wollte. Lenas Mund arbeitete mit einer Hingabe, die mich zugleich eifersüchtig und dankbar machte. Speichel glänzte an seinem Schaft. Sie zog sich zurück, leckte von unten nach oben, nahm ihn wieder auf, und ein tiefer Laut kam aus Jonas, den er nicht zurückhielt. Lena löste sich, wischte sich mit dem Handrücken über den Mund und sagte, sie wolle ins Bett, jetzt, und wir beide sollten mitkommen.
Im Schlafzimmer brannte nur die kleine Lampe auf meiner Seite. Die Decke war schon zurückgeschlagen, weil Lena das Bett am Nachmittag frisch bezogen hatte, als wüsste sie, dass diese Laken eine Geschichte tragen würden, die wir am Morgen zusammenfalten und in den Koffer legen würden. Sie legte sich in die Mitte, auf den Rücken, ein Knie angewinkelt, und streckte eine Hand nach Jonas aus. Er legte sich neben sie. Ich setzte mich an das Fußende, angezogen nur noch halb, und hatte beide im Blick, ihre Körper, ihre Hände, den schmalen Raum zwischen ihren Hüften.
Jonas küsste sie wieder, länger jetzt, und seine Hand wanderte über ihre Brust, den Bauch, zwischen die Beine. Lena spreizte die Schenkel. Ich sah seine Finger in ihr verschwinden, zwei, langsam, und hörte das feuchte Geräusch, das dazu gehörte. Sie war nass, offen, und sie hob das Becken, damit er tiefer kam. Mit dem Daumen fand er ihre Klitoris und rieb sie in kleinen Kreisen, während die Finger in ihr blieben. Lena drehte den Kopf auf dem Kissen und suchte meinen Blick. Ihre Augen waren dunkel. Sie sagte meinen Namen, einmal, und dann sagte sie, es sei gut, es sei so gut.
Er küsste sich an ihr hinunter. Über das Brustbein, den Bauch, den weichen Ansatz der Hüfte, die Innenseite des einen Schenkels, dann des anderen. Lena zitterte. Als sein Mund endlich zwischen ihren Beinen ankam, stieß sie einen Laut aus, der fast ein Lachen war und dann keines mehr. Er leckte sie langsam, breit, von unten nach oben, und blieb an der Klitoris, saugte sie sanft ein, ließ sie wieder, leckte Kreise. Seine Finger kehrten in sie zurück. Lena griff ins Laken. Ihre andere Hand fand meinen Knöchel am Fußende, als brauche sie einen Punkt, der zu mir gehörte, während ein anderer Mann sie mit dem Mund auseinandernahm.
Ich beugte mich vor und küsste ihr Schienbein, die einzige Stelle, die ich erreichen konnte, ohne das Bild zu stören. Sie drückte meinen Knöchel fester. Jonas arbeitete ruhig und gründlich, und ich sah, wie ihre Bauchmuskeln sich spannten, wie ihre Brüste sich mit jedem Atem hoben, wie eine Röte von ihrer Brust bis zum Hals stieg. Sie kam das erste Mal so, mit seinem Mund an sich und meinen Fingern an ihrem Bein, ein langes, rollendes Kommen, bei dem sie die Schenkel um seinen Kopf schloss und dann wieder öffnete, weil sie ihn nicht verlieren wollte. Ihr Laut war heiser und lang. Danach lag sie still und lachte einmal, atemlos, in die Decke.
Jonas richtete sich auf. Sein Mund glänzte. Lena zog ihn zu sich und küsste ihn, schmeckte sich selbst und schien das zu wollen. Dann sah sie mich an und fragte, ob ich näher kommen wolle. Ich zog mich aus und legte mich auf ihre andere Seite, nackt, hart, die Haut zu warm. Sie küsste mich, weich, und flüsterte, dass sie ihn in sich haben wolle, und dass ich bleiben solle, genau hier, an ihrer Schulter, an ihrem Mund, wenn sie mich brauche. Ich sagte ja. Jonas wartete, eine Hand auf ihrem Bauch, bis wir beide ihn ansahen und Lena sagte, jetzt.
Er kniete sich zwischen ihre Schenkel. Lena führte ihn mit der Hand, setzte seine Eichel an sich und atmete aus, als er eindrang. Es ging langsam. Ich sah, wie sie sich um ihn dehnte, wie ihr Mund sich öffnete, wie sie die Augen kurz schloss und dann wieder öffnete, um mich anzusehen. Er schob sich tiefer, Zentimeter um Zentimeter, bis er ganz in ihr war und beide einen Moment stillhielten. Lena flüsterte, dass es voll sei, dass es gut sei, und ihre Hand suchte meine und drückte sie so fest, dass die Knöchel hell wurden.
Jonas begann sich zu bewegen. Lange, tiefe Stöße, nicht schnell, jeder bis zum Anschlag, jeder mit einer Pause, in der Lena die Luft einsog. Das Bett gab unter ihnen nach. Ich lag an ihrer Seite und spürte jede Bewegung durch ihre Hüfte, durch das Laken, durch ihre Hand in meiner. Ihre Brüste wogten. Ich beugte mich vor und nahm eine Brustwarze in den Mund, weil ich sie schmecken wollte, während er sie fickte, und sie stöhnte lauter, als beide Berührungen zusammenkamen. Jonas fluchte leise, ehrfürchtig, und fragte, ob das noch richtig sei. Lena sagte ja, bitte, nicht aufhören. Ich ließ ihre Brust los nur lange genug, um dasselbe zu sagen.
Er wurde schneller, als sie es verlangte. Seine Hände lagen unter ihren Knien und hielten sie offen, und ich hatte freie Sicht auf die Stelle, an der er in sie stieß, nass, glänzend, ihr Körper, der ihn jedes Mal aufnahm und nicht hergeben wollte. Das Geräusch war deutlich in dem stillen Haus, Haut auf Haut, ihr Atem, seiner. Lena drehte das Gesicht zu mir und küsste mich mit offenem Mund, unordentlich, zwischen zwei Stöhnen, und ich schmeckte Wein und Haut und das Salz ihrer Oberlippe. Sie sagte, sie komme gleich wieder. Ich sagte, sie solle. Jonas legte einen Daumen auf ihre Klitoris und rieb im Takt seiner Stöße, und sie kam mit einem Schrei, der in meinem Mund zerbrach, der Körper unter uns beiden hart und dann weich, die inneren Muskeln so fest um ihn, dass er anhielt und die Zähne zusammenbiss.
Sie brauchte einen Augenblick. Jonas blieb in ihr, unbewegt, die Stirn an ihrer Schulter, und wartete, bis ihr Atem sich fand. Ich strich ihr das Haar aus der Stirn. Sie lächelte mit geschlossenen Augen und sagte, sie wolle ihn noch, anders, und sie wolle, dass ich sie halte. Sie drehte sich auf die Seite, den Rücken zu Jonas, das Gesicht zu mir, und er legte sich hinter sie. Ich sah, wie er wieder in sie eindrang, von hinten, und wie ihre Lippen sich teilten, als er die Stelle fand, die sie tief traf. Sie hob ein Bein über meines, damit er Raum hatte, und ich hielt dieses Bein, ihre Wade warm in meiner Hand, während er sie in einem neuen Rhythmus nahm, kürzer, dichter, sein Becken an ihrem Hintern.
In dieser Haltung war ihr Gesicht ganz nah an meinem. Ich küsste sie zwischen den Stößen, auf die Stirn, den Mund, die nasse Schläfe. Sie flüsterte Dinge, die nur für mich waren, dass sie mich liebe, dass das hier zu uns gehöre, dass sie nicht wolle, dass ich wegsehe. Ich sah nicht weg. Hinter ihr arbeitete Jonas mit einer Konzentration, die beinahe zärtlich war, eine Hand an ihrer Hüfte, die andere um ihre Brust gelegt, die Finger an der Brustwarze. Lena griff nach meinem Schwanz und begann, mich zu streicheln, unregelmäßig, weil ihr eigener Körper immer wieder aus dem Takt geriet, und gerade diese Unregelmäßigkeit machte mich verrückt.
Sie sagte, sie wolle uns beide spüren, aber nicht mehr als das, nicht heute, nur seine Stöße und meine Hand und ihren Mund an meinem. Ich verstand. Ich ließ sie mich halten und bewegte die Hüften nur so weit, dass ihre Faust einen Rhythmus fand. Jonas stieß tiefer. Lena keuchte an meinem Hals. Ich spürte, wie ihr Griff fester wurde, wenn er sie besonders traf, und lockerer, wenn sie selbst dem Kommen entgegenging. Das Zimmer roch nach Sex und nach der frischen Bettwäsche und nach dem Nachtwind, der durch den Spalt im Fenster kam. Draußen war die Straße leer. Drinnen war nur dieses Bett.
Jonas fragte heiser, ob er kommen dürfe, und wo. Lena öffnete die Augen, sah mich an, und ich nickte, weil wir das auch besprochen hatten: in ihr, wenn sie es in dem Moment noch wollte, sonst nicht. Sie sagte, in mir, ja, tief, und dann sagte sie seinen Namen und meinen, in einem Atem. Er stieß noch ein paar Mal, hart und kontrolliert, und kam mit einem langen, gepressten Laut, das Gesicht in ihrem Nacken, die Hand fest an ihrer Hüfte, aber nicht grob. Ich spürte das Nachgeben in ihrem Körper, das kleine Zucken, mit dem sie ihn aufnahm, und dann ihr eigenes, drittes Kommen, leiser als die anderen, ein Beben, das durch ihre Faust in mich überging und mich mitzog.
Ich kam in ihrer Hand, über ihren Bauch, in heißen Stößen, das Gesicht an ihrem, ein Laut, den ich nicht kannte und nicht zurückhielt. Eine Weile bewegte sich niemand. Jonas blieb in ihr, bis er weicher wurde, und zog sich dann vorsichtig zurück. Lena zuckte bei dem Verlust und lachte wieder, klein, erschöpft, und drehte sich auf den Rücken zwischen uns. Sperma glänzte auf ihrem Bauch und lief langsam aus ihr auf das Laken. Sie lag da mit offenen Augen und einem Mund, der nicht mehr nach Worten suchte, nur nach Luft.
Ich stand auf und holte ein Handtuch aus dem Bad, warm unter dem Wasser, und ein Glas. Als ich zurückkam, hatte Jonas sich auf den Rücken gelegt, einen Arm über den Augen, und atmete, als wäre er eine Treppe hinaufgelaufen. Lena hatte die Knie angezogen und sah zur Decke. Ich wischte sie ab, langsam, über den Bauch, zwischen den Beinen, und sie ließ es geschehen mit einem Seufzer, der Dank war und Müdigkeit. Sie trank das Wasser in kleinen Schlucken. Dann reichte sie das Glas an Jonas weiter, und er setzte sich auf und trank ebenfalls, als wäre das die selbstverständlichste Geste der Nacht.
Wir lagen zu dritt unter der Decke, Lena in der Mitte, mein Arm unter ihrem Nacken, Jonas’ Hand auf ihrem Bauch, über dem Handtuch, das sie noch hielt. Niemand sprach von Hamburg und niemand sprach von den Koffern. Lena sagte nur, dass es richtig gewesen sei, und dass sie froh sei, dass wir nicht gewartet hätten, bis die Nacht zu kurz wurde. Jonas sagte, er werde morgen nicht an der Tür stehen, wenn das Taxi komme, es sei denn, wir wollten es. Ich sagte, er solle schlafen, wenn er wolle, und früh gehen, und dass wir ihm schreiben würden, wenn wir angekommen seien. Er nickte an ihrem Haar.
Lena drehte sich zu mir und küsste mich lange, ohne Eile, der Geschmack von allem noch zwischen uns und trotzdem nur sie. Hinter ihr wurde Jonas’ Atem tiefer. Sie flüsterte, ich solle nicht denken, dass etwas weniger geworden sei. Ich sagte, ich denke das nicht. Draußen wurde der Himmel über dem Gartenzaun schon eine Spur heller, noch keine Farbe, nur weniger Schwarz. Die Uhr auf dem Nachttisch zeigte halb drei. Das Taxi kam erst um sechs. Wir hatten noch Zeit, nackt und warm und still, und die Abreise lag hinter der Tür im Flur, bei den Koffern, und gehörte noch nicht in dieses Bett.
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