Das Wiedersehen, das unsere Regel kannte
Ehefrau · 19 Minuten lesen · 25 Minuten hören
Gelesen von Edward
Teil 3 der Serie Ehe neu (7)
Der Abend hatte einen Namen, bevor er anfing. Wir nannten ihn nicht so vor anderen, aber zwischen Sabine und mir hieß er seit drei Wochen nur das Wiedersehen. Ich war einundvierzig, meine Frau achtunddreißig, und der Mann, der um acht Uhr klingeln sollte, hatte vor zwei Wochen am Telefon gesagt, er sei vierzig geworden. Alle drei waren also längst über einundzwanzig, und alle drei hatten ja gesagt, nicht einmal, sondern mehrmals, zuletzt am Nachmittag, als Sabine das Telefon sinken ließ und mich ansah, als wolle sie prüfen, ob die Regel noch stand.
Sie stand. Wir hatten sie vor sechs Jahren auf ein Blatt geschrieben, nachdem wir in einer langen Nacht zugegeben hatten, dass eine offene Ehe für uns keine lose Verabredung war, sondern eine enge Tür mit einem klaren Rahmen. Eine alte Anziehung durfte einmal wieder an den Tisch kommen. Der andere blieb im Raum. Jeder konnte mit einem einzigen Wort abbrechen, und dieses Wort galt sofort, ohne Erklärung und ohne Nachspiel. Nichts wurde aufgenommen, nichts weitererzählt, und am Ende des Abends gehörte das Bett wieder nur uns beiden.
Ich erinnere mich an die Nacht, in der das Blatt entstand, genauer als an manchen Urlaub. Wir hatten uns nicht gestritten. Wir hatten nur zu lange geschwiegen, jeder mit einer alten Geschichte im Kopf, die der andere nicht kennen durfte, und dieses Schweigen war schwerer geworden als jedes Geständnis. Sabine hatte zuerst gesprochen. Sie hatte gesagt, sie wolle mich nicht betrügen und auch nicht so tun, als sei ihr Körper ein abgeschlossenes Zimmer.
Ich hatte ihr von einer Anziehung erzählt, die vor unserer Ehe gelegen hatte und die ich nie ausgelebt hatte. Am Ende dieser Nacht war nicht ein Freibrief entstanden, sondern eine Klausel: einmal, gemeinsam anwesend, widerrufbar, und danach wieder wir.
Thomas hatte Sabine gekannt, bevor ich sie kannte. Sie waren beide schon über zwanzig gewesen, sie zweiundzwanzig, er vierundzwanzig, in einer Stadt, die keiner von uns mehr bewohnte. Es war keine Beziehung gewesen, das hatte sie mir oft gesagt, und ich glaubte ihr, weil ihre Stimme dabei nicht auswich. Sie hatten sich angesehen, zu lange, und einmal auf einer Dachterrasse fast geküsst, und dann war ein Zug dazwischengekommen und ein Lebensplan, der nicht seiner war. Die Anziehung war geblieben wie ein Brief, den niemand abgeschickt hatte. Als sein Name vor einem Monat in ihrem Postfach auftauchte, legte sie mir das Gerät hin, ohne die Nachricht zu öffnen, und wartete, bis ich neben ihr saß.
Ich erinnere mich an das Licht in der Küche an jenem Abend, an dem wir die Nachricht lasen. Sie war kurz und höflich, fast schüchtern: Er sei für zwei Tage in der Stadt, er denke manchmal an jene Terrasse, er wolle nichts stören, er frage nur, ob sie einen Kaffee trinken wolle. Sabine nahm meine Hand. Sie sagte nicht, dass sie ihn unbedingt haben müsse.
Sie sagte, die Regel sei genau für so etwas gemacht worden, und ohne mich werde sie keinen Schritt tun. Ich lehnte den Kaffee ab und schlug das Abendessen vor, bei uns, unter den Bedingungen, die wir schon hatten. Thomas antwortete noch am selben Tag, er verstehe, und er komme nur, wenn auch ich ihn haben wolle. Dieser Satz machte mich ruhiger als jede Versicherung von ihr.
Am Nachmittag des Wiedersehens duschte Sabine lange und zog sich langsam an, nicht wie für ein Fest, eher wie für ein Gespräch, das die Nacht werden konnte. Ein dunkles Kleid, die Schultern frei, kein Schmuck bis auf den Ring an ihrer Hand. Ich stand in der Tür und sah zu, wie sie die Haare hochsteckte und wieder löste, unzufrieden mit sich und doch nicht unsicher vor mir. Mit achtunddreißig hatte sie eine Ruhe im Körper, die keine Erinnerung an eine Dachterrasse ersetzen konnte, und gerade diese Ruhe zog mich an.
Sie bemerkte meinen Blick, kam zu mir und legte die Stirn an meine. Wenn ich in irgendeinem Moment nicht mehr wolle, sagte sie, sei der Abend vorbei, Regel hin oder her. Ich sagte, dasselbe gelte für sie. Wir küssten uns kurz, trocken, wie ein Siegel unter einen Vertrag, den wir schon kannten.
Ich kochte etwas Einfaches, das nicht nach Mühe roch: Fisch, Zitronen, Brot, ein Salat mit Kräutern. Der Wein stand schon offen auf der Anrichte und atmete. Die Wohnung war aufgeräumt, aber nicht inszeniert, denn ich wollte nicht, dass Thomas ein Wohnzimmer betrat, das wie eine Falle wirkte. Wenn etwas geschah, sollte es aus dem Abend kommen und nicht aus einer Vorbereitung, die schon entschieden hatte.
Sabine deckte drei Teller. Beim dritten zögerte ihre Hand, und ich nahm ihn ihr ab und stellte ihn selbst hin, damit die Geste uns gehörte und nicht nur ihr. Sie lächelte knapp, dankbar, und strich mir über den Unterarm, eine kleine Berührung, die mich mehr beruhigte als der Wein.
Er kam pünktlich. Durch den Spion sah ich einen Mann in einem dunklen Mantel, das Haar an den Schläfen schon heller, das Gesicht schmaler, als ich es mir aus Sabines alter Beschreibung gemacht hatte. Ich öffnete. Wir gaben uns die Hand.
Seine war trocken und fest, nicht zu lang, und er sagte meinen Namen, als habe er ihn geübt, damit er nicht stolperte. Dann sah er an mir vorbei zu Sabine, und in diesem Blick lag nichts Grobes und nichts Besitzergreifendes. Nur ein Erkennen, das ich sofort ernst nahm, weil es nicht spielte.
Sabine blieb einen Moment stehen, die Hände an den Seiten, und ich sah, wie sie atmete, bevor sie ging. Dann trat sie zu ihm und umarmte ihn so, wie man einen alten Freund umarmt, nicht länger und nicht enger als das. Trotzdem senkten sich ihre Schultern, als hätte der Körper eine alte Haltung wiedergefunden, die ich nicht kannte. Thomas trat zurück, nickte mir zu und sagte, er sei dankbar, dass er hier sein dürfe, und er werde gehen, sobald einer von uns das wolle. Es war der Satz, der die Luft klarer machte, noch bevor der Wein eingeschenkt war.
Wir aßen langsam. Das Gespräch blieb zuerst auf der Oberfläche, bei der Stadt, bei seiner Arbeit in einem Architekturbüro, bei unserem Balkon, der im Sommer zu heiß wurde und im März noch kahl war. Sabine lachte einmal über eine Erinnerung, die nichts mit Körpern zu tun hatte, ein falscher Hörsaal, ein Regen, eine Prüfung, die sie beide zu spät gefunden hatten. Thomas lachte mit, leiser als sie, und sah danach kurz auf seinen Teller, als wolle er das Lachen nicht ausnutzen.
Ich merkte, dass ich nicht eifersüchtig war in der billigen, engen Art. Ich war wach. Ich sah, wie oft ihre Blicke sich trafen und wie schnell sie wieder zu mir kamen, als wollten sie mich nicht aus dem Kreis lassen.
Er stellte das Glas ab und sagte, er wolle nicht so tun, als sei er nur wegen des Fisches gekommen. Er habe sie wiedersehen wollen. Er sehe sie an und merke, dass die alte Anziehung keine Erfindung der Erinnerung gewesen sei. Dann sah er mich an und sagte, er werde kein Wort weiter sprechen, wenn ich das nicht hören wolle. Sabines Knie drückte meines unter dem Tisch. Sie schwieg und ließ mir den ersten Satz, und diese Geduld von ihr machte es mir leichter, klar zu sein statt nur höflich.
Ich sagte, wir hätten eine Regel, und er solle sie hören, bevor irgendetwas anderes geschah. Ich sprach sie langsam aus, ohne das Blatt zu holen, weil der Wortlaut in uns saß. Ein Abend, nicht zwei. Alle im Raum, niemand auf dem Flur und niemand hinter einer Tür. Ein Wort genügte zum Abbruch, und wir nannten es, damit es nicht im entscheidenden Moment gesucht werden musste: Fenster.
Keine Aufnahmen, keine Nachrichten danach, kein Wiederholen in der nächsten Woche. Am Ende dieses Abends ging er, und was zwischen Sabine und mir blieb, gehörte uns. Thomas hörte zu, die Hände um das Glas, und nickte nach jedem Satz, als setze er eine Unterschrift in die Luft.
Dann sagte er, er nehme das an, vollständig, auch das Gehen. Sabine sagte, sie nehme es auch an, und ihre Stimme war fest, nicht atemlos und nicht um Erlaubnis bettelnd. Ich sagte, ich ebenfalls, und ich meinte es, nicht als Prüfung und nicht als Opfer. Erst dann stand etwas im Raum, das mehr war als ein Essen unter alten Bekannten. Eine Weile sprach niemand. Der Wein schmeckte nach Holz und nach der Zitrone, die noch an den Fingern hing, und das Schweigen war nicht mehr das schwere von früher, sondern ein volles, in dem jeder den nächsten Schritt abwog.
Sabine stand auf, um eine Kerze anzuzünden, die wir sonst nie brauchten, und das kleine Geräusch des Streichholzes war laut in der stillen Küche. Als sie sich wieder setzte, setzte sie sich nicht auf ihren Stuhl, sondern auf die Armlehne meines Sessels, so dass ihr Oberschenkel an meiner Schulter lag. Es war eine klare Geste, keine zufällige. Sie blieb bei mir und sah Thomas an, und ich legte die Hand auf ihr Knie, damit auch er sah, wo ich war. Die Wärme ihrer Haut durch das Kleid ging mir sofort in den Arm.
Er fragte, ob er näher kommen dürfe, und er fragte nicht sie zuerst, sondern uns. Ich nickte. Sabine nickte. Er zog den Stuhl nicht heran, er stand auf und kam um den Tisch, bis er vor uns stand, nah genug, dass ich sein Hemd roch, Baumwolle und draußen die kalte Straße.
Er hob die Hand nicht. Er wartete, und dieses Warten war das Anständigste, was er an diesem Abend tun konnte. Sabine streckte ihre Hand aus und legte sie an seine Wange, die Finger gespreizt, vorsichtig, als prüfe sie, ob die Haut noch dieselbe sei. Thomas schloss kurz die Augen. Dann öffnete er sie, sah mich an und fragte noch einmal, ob das für mich in Ordnung sei. Ich sagte ja.
Der erste Kuss war ihrer. Sabine beugte sich von der Armlehne vor, Thomas kam ihr entgegen, und ihre Münder trafen sich langsam, ohne das Drängen, das ich erwartet hatte. Es war ein Wiedersehen im wörtlichen Sinn: Lippen, die sich erinnerten und zugleich fremd blieben. Ich hörte ihren Atem an seiner Wange.
Ich spürte, wie ihr Oberschenkel sich an meiner Schulter spannte und wieder löste, ein Zittern, das sie nicht versteckte. Meine Hand lag auf ihrem Knie, und ich drückte einmal, nicht als Halt, eher als Zeichen, dass ich da war und blieb. Sie küsste ihn weiter, öffnete den Mund ein wenig, und aus ihrer Kehle kam ein leises Geräusch, das ich kannte.
Sie löste sich von ihm und sah mich an. Ihre Augen waren dunkel und fragend, der Mund feucht, und sie wartete, ohne sich zu entschuldigen. Ich strich mit dem Daumen über ihr Knie und sagte, sie solle nicht meinetwegen aufhören, wenn sie nicht aufhören wolle. Dann küsste sie mich, und dieser Kuss war anders, vertrauter und fordernder, als wolle sie mir den Geschmack des anderen nicht verbergen, sondern bringen. Ich schmeckte Wein und sie und eine fremde Spur. Ich hielt ihr Gesicht und küsste sie länger, bis sie an meinem Mund klein und zittrig lächelte, ein Lächeln nur für mich.
Thomas stand still, die Hände sichtbar, und als wir uns trennten, sagte er, er könne gehen, wenn der Kuss schon das Wiedersehen gewesen sei. Sabine schüttelte den Kopf. Sie wolle mehr, sagte sie, aber nur so, wie die Regel es meine, und nur solange wir beide es wollten. Bei dem Wort beide sah sie mich an, nicht ihn.
Ich stand auf. Meine Beine waren schwer und gleichzeitig leicht, als hätte der Körper schon ja gesagt, während der Kopf noch die Sätze ordnete. Wir gingen ins Wohnzimmer, weil das Sofa breiter war als der Sessel, und ich sagte noch einmal, dass das Wort galt, auch wenn jemandem die Sprache kurz fehlte.
Thomas sprach das Wort sogar laut, nur um zu zeigen, dass er es kannte und nicht fürchtete, es auszusprechen: Fenster. Niemand lachte. Es war gut, es einmal im Raum zu haben, bevor es gebraucht wurde oder eben nicht. Sabine wiederholte es leise, ich auch, und damit war der Abend noch einmal von drei Mündern bestätigt.
Dann zog sie die Schuhe aus. Thomas auch. Ich blieb in Socken, was albern wirkte und mich trotzdem beruhigte, weil es nach zu Hause aussah und nicht nach einem Zimmer, das man für eine Nacht mietete.
Im Wohnzimmer brannte nur die Stehlampe, ein warmes Licht, das die Ecken wegließ und die Haut hervorhob. Sabine stellte sich zwischen uns, den Rücken halb zu mir, das Gesicht zu ihm, und sagte, er dürfe ihr Kleid öffnen, wenn er wolle. Sie sagte es so, dass ich jedes Wort hörte. Thomas fragte mich mit einem Blick, nicht aus Höflichkeitstheater, sondern weil die Regel ihn band. Ich nickte.
Seine Hände gingen an ihren Rücken, fanden den Reißverschluss und zogen ihn langsam herunter. Das Geräusch war klein und endgültig. Das Kleid klaffte, und ich sah die Linie ihres Rückens, die ich oft geküsst hatte, jetzt unter seinen Fingerknöcheln.
Er schob den Stoff nicht sofort von den Schultern. Er legte die Hand flach auf ihren Rücken, warm, und wartete. Sabine atmete lang aus und lehnte sich einen Zoll gegen diese Hand, nicht mehr. Dann sah sie über die Schulter zu mir.
Ich trat näher, küsste die Stelle, an der der Träger nicht mehr hielt, und schmeckte ihre Haut, Salz und die Seife vom Nachmittag. Sie griff nach hinten, fand meine Hüfte und hielt sich dort fest. Mit der anderen Hand fand sie Thomas' Hemd und hielt den Stoff, noch nicht ihn, als brauche sie den Umweg.
Wir entkleideten sie gemeinsam, langsam, und jeder Handgriff wurde angesagt oder durch einen Blick freigegeben. Das Kleid fiel über den Sessel. Darunter trug sie schlichte dunkle Wäsche, nichts, was nach einer inszenierten Falle aussah, und gerade das machte sie in meinen Augen nackter, als Spitze es getan hätte. Thomas sagte leise, sie sei schön, und es klang nicht wie ein Satz, den man aufsagt, eher wie etwas, das ihm herausrutschte. Sabine wurde rot am Hals, was ich selten sah, und diese Röte gefiel mir mehr als jedes Kompliment. Ich öffnete ihren BH, weil sie meine Hände suchte und sie dorthin führte.
Ihre Brüste lagen in meinen Handflächen, schwer und vertraut, die Brustwarzen schon fest unter meinen Daumen. Ich hielt sie nicht vor ihm verborgen. Ich stand hinter ihr, ließ ihn sehen und ließ sie sich sehen, den Rücken an meiner Brust, den Atem schneller als beim Essen.
Thomas fragte, ob er sie anfassen dürfe. Sabine sagte ja, klar und ohne Flüstern. Ich sagte ja. Seine Hände kamen von vorn, zuerst an die Taille, dann höher, bis seine Daumen die Unterseiten ihrer Brüste berührten, dicht neben meinen Fingern. Für einen Moment lagen vier Hände an ihr, und sie machte ein Geräusch, das kein Wort war.
Ihr Kopf fiel an meine Schulter. Ich küsste ihre Schläfe und roch ihr Haar. Thomas beugte sich vor und nahm eine Brustwarze in den Mund, langsam, die Lippen weich, und Sabine zuckte nicht weg, sondern tiefer in uns beide hinein. Ihre Hand auf meiner Hüfte krallte sich in den Stoff meiner Hose.
Ich war hart, schon seit dem Kuss am Tisch, und jetzt drückte sich das gegen ihren unteren Rücken, unverkennbar. Sie merkte es, drückte sich zurück, eine kleine Bewegung, die mir sagte, dass sie mich nicht vergaß, während ein anderer Mund an ihrer Brust war. Ich öffnete die Hose noch nicht. Ich wollte den Moment nicht überholen.
Meine Hand glitt über ihren Bauch, unter den Bund ihres Slips, und blieb auf der warmen Haut liegen, bis sie flüsterte, ich solle nicht dort stehen bleiben. Erst dann schob ich die Finger tiefer, durch weiches Haar, in die Hitze zwischen ihren Schenkeln. Sie war nass, nicht andeutungsweise, sondern so, dass meine Finger sofort glitten, und die Innenseiten ihrer Schenkel waren schon feucht. Ich sagte ihr das leise ins Ohr, nicht als Bericht, eher als Erstaunen, das ich nicht für mich behalten konnte. Sie lachte einmal, atemlos, und sagte, sie wisse es, sie spüre sich selbst bei jedem Atemzug. Ihr Becken drängte sich gegen meine Hand, klein und deutlich.
Thomas hob den Kopf von ihrer Brust. Er hatte es an ihrem Gesicht gesehen oder an der Art, wie ihre Knie weich wurden. Er fragte, ob er sie dort auch berühren dürfe, und er sah dabei uns beide an. Sabine öffnete die Augen, fand meinen Blick, und ich sah kein Zögern, nur die Frage, ob ich noch im Sinne der Regel im Raum war und nicht nur mit dem Körper. Ich sagte, wenn sie es wolle, dann ja. Sie nahm seine Hand und führte sie hinunter, an meiner vorbei, bis seine Finger neben meinen lagen. Wir berührten sie beide, zuerst unbeholfen, dann in dem Rhythmus, den ihr Becken vorgab.
Sie stand zwischen uns und ließ die Knie nachgeben, so dass ich sie mit dem anderen Arm um die Taille halten musste, damit sie nicht fiel. Thomas ging in die Knie, küsste ihren Bauch, den Rand des Slips, die weiche Stelle darunter, und fragte noch einmal, bevor er den Stoff nach unten zog. Sie sagte ja, und sie sagte es klar, den Blick auf mir. Ich nickte. Der Slip glitt an ihren Beinen herab, und sie stieg heraus, nackt zwischen uns, die Haut im Lampenlicht gold und von Schatten gefleckt. Ich sah die Feuchtigkeit an ihren Schenkeln glänzen und spürte, wie mir der Mund trocken wurde.
Thomas küsste die Innenseite ihres Oberschenkels, langsam, von Knie zu Körpermitte, und sie zitterte in meinem Arm. Seine Zunge fand sie, breit und geduldig, und ihr Mund öffnete sich an meiner Wange zu einem langen Laut, den sie nicht zurückhielt. Ich hielt sie und sah zu, wie er sie leckte, wie ihre Hüfte sich ihm entgegenschob und wieder zu mir zurückfiel. Meine eigene Erregung war so dicht, dass ich einen Moment die Augen schließen musste, um nicht nur noch Körper zu sein. Als ich sie wieder öffnete, war ihr Blick auf mir, auch während sein Mund an ihr arbeitete. Das band mich fester an sie als jede Regel auf Papier.
Ich zog mich aus, weil der Stoff störte und weil ich ihre Hand an mir spüren wollte, Haut an Haut. Sie griff nach hinten, fand mich, umschloss mich mit der vertrauten Faust, und diese Vertrautheit mitten im Fremden machte mich fast laut. Thomas stand auf, das Gesicht feucht von ihr, und küsste sie. Sie küsste ihn und ließ mich nicht los, der Daumen strich über meine Spitze, nass von mir selbst.
Dann sagte sie, sie wolle sich hinlegen, sie wolle uns sehen, sie wolle nicht stehen, bis die Beine nachgaben. Wir gingen die wenigen Schritte zum Sofa. Es war breit genug, wenn wir uns nicht zierten.
Sabine legte sich auf den Rücken, ein Kissen unter dem Kopf, die Knie zunächst geschlossen, dann geöffnet, als sie uns beide ansah. Es war keine Pose aus einem fremden Drehbuch. Es war eine Einladung mit einem Rest von Scham, der sie nicht kleiner machte. Thomas zog das Hemd aus und fragte, ob die Hose auch fallen solle. Sie sagte ja.
Ich sagte, er solle nichts tun, was sie nicht noch einmal bejahte, und er sagte, das habe er nicht vor. Als er nackt war, wartete er, die Hände an den Seiten, erregt und still, bis Sabine die Hand nach ihm ausstreckte.
Sie wollte seinen Mund wieder zwischen den Schenkeln, und er legte sich dorthin und leckte sie gründlicher, mit einer Geduld, die mich überraschte. Sabine hielt meine Hand. Ihre Hüften hoben sich, der Atem brach. Ich beugte mich über sie, küsste ihren Mund und fragte, ob sie mehr wolle.
Sie sagte, sie wolle ihn in sich, und sie wolle, dass ich dabei sei, dass ich sie anfasse, dass ich nicht wegsehe. Thomas sagte ja, er habe Kondome im Mantel, und er werde keines vergessen. Ich holte eines, drei Schritte in den kühlen Flur, und dieses Holen ließ mir die Wahl. Ich kam zurück und gab es ihm. Niemand drängte.
Er streifte es über. Sabine zog ihn zu sich. Ich saß an ihrer Seite, eine Hand an ihrer Wange, die andere auf ihrer Brust. Er führte sich an sie heran, hielt inne und fragte ein letztes Mal. Sie sagte ja, bitte, jetzt. Er drang langsam in sie ein.
Ich sah ihr Gesicht: die Lippen offen, die Augen weit, dann halb zu, und ein tiefer Laut, den ich aus unseren eigenen Nächten kannte. Es traf mich und erregte mich zugleich, und ich ließ beides zu. Er bewegte sich vorsichtig, dann tiefer, im Takt ihres Atems. Sie hielt meine Hand fest. Ich sagte, ich sei da, sie könne aufhören. Sie sagte, sie wolle nicht aufhören, ich solle sie dort anfassen, wo er sie nicht erreiche.
Ich beugte mich hinunter, nahm ihre Brust in den Mund und ließ die Zunge kreisen, während er in sie stieß. Ihre freie Hand fand mich und streichelte unregelmäßig, und gerade das machte mich wahnsinnig. Sie sagte, sie sei nah. Thomas fand mit zwei Fingern ihre Klitoris und bewegte sich flacher, damit die Hand Platz hatte.
Sie kam laut, der Rücken gespannt, mein Name zuerst, dann nur noch Ja. Er hielt still, als sie seine Hand wegstieß, zu viel, und fragte, ob er bleiben solle. Sie sagte, er dürfe kommen und dann gehen, weil der Rest uns gehöre. Er kam kurz und zurückgehalten, dankte uns und zog sich an. Die Tür fiel ins Schloss.
Ich kam zu ihr zurück. Sie lag auf dem Sofa, gerötet, die Augen klar, und streckte die Arme aus. Wir hielten uns, ohne zu reden, bis sie sagte, jetzt wolle sie mich, nur mich, langsam und dann nicht mehr langsam. Ich legte mich zu ihr und glitt in sie, und die Hitze war vertraut und neu zugleich, sehr nass, weich von dem, was vorher gewesen war, und eng genug, dass ich jedes Zucken spürte.
Sie schlang die Beine um mich und sagte meinen Namen, wieder und wieder, während ich tiefer stieß. Sie rieb sich zwischen uns, sah mich an und kam noch einmal, scharf und kurz, und die Wellen um mich zogen mich mit. Ich kam in ihr, das Gesicht an ihrem Hals, und blieb, bis das Zittern nachließ.
Später tranken wir Wasser am Rand des Sofas, nackt und still. Sie fragte, ob ich zornig sei. Ich sagte nein, ich sei aufgewühlt und sehr bei ihr. Sie sagte, die alte Anziehung habe heute einen Ort bekommen, und dieser Ort sei dieser Abend, nicht unser Alltag. Ich glaubte ihr, weil sie meine Hand nicht losließ.
Draußen fuhr ein Auto vorbei. Drinnen roch es nach uns. Wir sprachen nicht mehr viel, nur dass jeder morgen sagen dürfe, wenn etwas anders schmecke. Das war keine neue Regel. Das war die alte, die unter der anderen lag.
Am Morgen würde der Kaffee gewöhnlich sein. Das genügte mir.
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