Das vereinbarte Wochenende
Ehefrau · 25 Minuten lesen · 33 Minuten hören
Gelesen von Rowan
Teil 2 der Serie Ehe neu (8)
An diesem Wochenende galt zwischen meiner Ehefrau und mir eine Abmachung, die wir in ruhigen Sätzen festgelegt hatten, lange bevor das Haus am See gemietet war. Marlene war 34, ich war 36, und Jonas, den wir eingeladen hatten, war 39. Niemand in diesem Raum war jung in dem Sinn, der Unsicherheit mit Mut verwechselt. Wir waren erwachsen, verheiratet seit acht Jahren, und wir hatten uns diese zwei Nächte nicht im Rausch ausgedacht, sondern am Küchentisch, bei Tageslicht, mit einer Liste, die wir danach verbrannt hatten, weil das Papier uns weniger wichtig war als das, was wir einander ins Gesicht gesagt hatten.
Das Haus roch nach warmem Holz und nach dem See, der hinter der Fensterfront dunkel lag. Ich hatte den Wein schon geöffnet. Marlene stand barfuß auf den Dielen, in einem schlichten schwarzen Kleid, das ihre Schultern frei ließ, und sie sah nicht nervös aus, nur wach. Ihre Haare hatte sie nicht festgesteckt. Sie fielen ihr über den Rücken, und wenn sie sich zur Lampe drehte, lag ein kupferner Schein darin. Ich kannte diesen Schein aus anderen Abenden, aus Abenden, die nur uns gehörten, und gerade deshalb blieb ich einen Moment in der Tür stehen und ließ ihn auf mich wirken, bevor ich sprach.
Wir wiederholten die Abmachung nicht wie ein Vertrag, den man fürchtet, sondern wie eine Tür, die man noch einmal prüft, ob sie sich von innen öffnen lässt. Marlene bestimmte das Tempo. Ich blieb im Raum, sofern sie mich nicht fortschickte. Jonas durfte sie berühren, küssen und mit ihr schlafen, wenn sie es wollte und solange sie es wollte. Ein Kondom galt ohne Ausnahme. Das Wort Ruhe beendete alles, sofort und ohne Nachfrage, egal aus wessen Mund es kam. Keine Bilder. Kein Bleiben in unserem Bett bis zum Morgen. Danach gehörten wir wieder einander, und Jonas fuhr, sobald sie es sagte. Ich durfte sie anfassen, wenn sie meine Hand suchte. Sie durfte jederzeit nur noch mich wollen. Nichts davon war eine Prüfung, die einer von uns bestehen musste.
Jonas kam, als der Himmel über dem See schon violett war. Er klopfte, obwohl die Tür offen stand, und dieses Klopfen gefiel mir mehr, als ich erwartet hatte. Er war groß, nicht auf die Art, die einen Raum besetzt, eher auf die Art, die wartet, bis man ihn hereinbittet. Dunkles Hemd, die Ärmel einmal umgeschlagen, ein Gesicht, das im Kaffee vor drei Wochen ruhig gewesen war und auch jetzt ruhig blieb. Er brachte nichts mit außer sich selbst und der Klarheit, mit der er uns beide ansah, nicht nur sie. Das hatten wir verlangt. Wer nur meine Ehefrau sah und mich als Möbel behandelte, kam nicht über die Schwelle.
Wir aßen wenig. Brot, Oliven, etwas Käse, der Wein in drei Gläsern, die auf dem niedrigen Tisch vor dem Sofa standen. Draußen tickte ein Boot an seinem Steg. Drinnen sprach Jonas von der Fahrt, von der Straße, die am Wasser entlangführte, und Marlene hörte ihm zu, ohne sich zu beeilen. Ich saß in dem Sessel schräg gegenüber, nah genug, um ihre Knie zu sehen, weit genug, um nicht zwischen sie zu geraten. So hatten wir es uns vorgestellt. Nicht als Versteck. Als Platz.
Die erste Stunde gehörte dem Reden. Jonas fragte sie nach der Arbeit, nicht aus Höflichkeit, sondern weil er sich an ein Detail aus unseren Nachrichten erinnerte, eine Ausstellung, die sie betreut hatte, und Marlene antwortete mit dieser Stimme, die sie hat, wenn sie sich ernst genommen fühlt. Ich sah, wie ihre Schultern sanken. Die Anspannung, die den Nachmittag über in ihrem Nacken gesessen hatte, löste sich nicht auf einmal, sondern in kleinen Beträgen. Einmal suchte ihr Blick mich, und ich nickte, kaum sichtbar. Sie nickte zurück. Das war unser stilles Zeichen, älter als Jonas, älter als diese Abmachung: Ich bin hier, und ich will das, was du willst, solange du es willst.
Der lange Blick kam nicht als Überfall. Er wuchs aus einem Satz, den keiner zu Ende sprach. Jonas hatte etwas über das Wasser gesagt, über die Art, wie es nachts die Lichter schluckt, und dann schwieg er, weil Marlene ihn ansah und nicht wieder wegsah. Es war kein koketter Blick. Es war ein Blick, der Zeit beanspruchte. Ihre Augen blieben auf seinem Mund, dann auf seinen Augen, und er hielt stand, ohne zu lächeln, ohne die Stille mit einem Witz zu füllen. Ich spürte, wie sich in meiner Brust etwas festzog und zugleich öffnete. Wir hatten über diesen Moment gesprochen. Wir hatten gesagt, dass ein Blick länger dauern darf als die Höflichkeit, und dass niemand ihn abkürzen muss, um sich zu beweisen.
Marlene legte die Hand nicht sofort auf seine. Sie ließ den Blick arbeiten. Ihre Lippen waren leicht geöffnet. Ein Atemzug hob ihr Kleid an der Brust. Jonas bewegte sich nicht. Auch ich nicht. Draußen schlug eine kleine Welle an den Steg, einmal, zweimal, und immer noch sahen sie einander an, als gäbe es im Raum keine Uhr. Ich zählte nicht. Ich merkte nur, dass mein Glas schwerer wurde in der Hand und dass ich es abstellte, weil ich nichts zwischen mir und diesem Anblick haben wollte. Ihre Wangen hatten Farbe bekommen. Nicht die Farbe der Scham. Die Farbe einer Entscheidung, die im Körper ankommt, bevor der Mund sie ausspricht.
Dann erst die Berührung. Jonas hob die Hand nicht. Marlene tat es. Sie legte zwei Finger auf seinen Handrücken, langsam, als prüfe sie die Temperatur von Wasser, und ließ sie liegen. Jonas atmete aus, ein Laut, der kaum ein Laut war. Seine andere Hand blieb auf seinem Knie. Er wartete. Das Warten war Teil dessen, was wir ihm erklärt hatten, und er hielt sich daran, ohne daraus eine Vorstellung zu machen. Marlene strich mit dem Daumen über seine Knöchel. Die Geste war klein und trotzdem so deutlich, dass mir die Kehle eng wurde. Ich kannte diese Finger. Ich kannte den Druck, den sie wählen, wenn sie etwas wirklich wollen und nicht nur andeuten.
Sie drehte den Kopf zu mir, ohne die Finger von ihm zu nehmen. In ihrem Gesicht lag eine Frage, die keine Worte brauchte, und ich beantwortete sie mit der Wahrheit, die wir uns gegeben hatten. Ja. Ich will dich so sehen. Ich will, dass du das nimmst, was du dir ausgesucht hast. Ihre Mundwinkel bewegten sich, kein Lächeln für ein Publikum, eher das kleine Nachgeben eines Menschen, der sich erlaubt, weiterzugehen. Jonas folgte ihrem Blick zu mir. Er suchte keine Erlaubnis hinter ihrem Rücken. Er suchte die Bestätigung, dass der Raum noch derselbe war. Ich sagte leise, dass alles gelte, was wir besprochen hatten. Er nickte einmal.
Marlene stand auf. Das Kleid fiel an ihren Beinen herab, und für einen Moment war nur das Rascheln des Stoffes zu hören und das Ticken des Bootes draußen. Sie ging nicht zu Jonas. Sie kam zuerst zu mir, beugte sich herunter und küsste mich auf den Mund, kurz, warm, mit dem Geschmack von Wein und von ihr. Ihre Hand lag an meiner Wange. Ich halte das fest, sagte sie kaum hörbar, und ich verstand, dass sie nicht das Wochenende meinte, sondern mich. Dann richtete sie sich auf und ging die wenigen Schritte zu Jonas, der ebenfalls aufgestanden war und die Hände noch immer bei sich behielt, bis sie seine Handgelenke nahm und sie an ihre Taille legte.
Der erste Kuss zwischen ihnen war langsamer als der Blick. Jonas neigte den Kopf, wartete den letzten Zentimeter, und Marlene schloss ihn. Ich sah ihre Lippen sich öffnen, sah, wie seine Hand sich an ihrem Rücken spreizte, nicht greifend, sondern haltend. Ein leises Geräusch kam aus ihrer Kehle, nicht gespielt, eher überrascht von der eigenen Lautstärke. Sie zog sich nicht zurück. Sie stellte sich näher, Brust an Brust, und der Kuss wurde tiefer, ohne hastig zu werden. Jonas küsste, wie er gesprochen hatte: aufmerksam, mit Pausen, in denen er ihr Gesicht ansah, als wolle er sicher sein, dass sie noch in demselben Wunsch stand.
Ich blieb im Sessel. Meine Hände lagen auf den Lehnen. Zwischen meinen Beinen wurde es eng in der Hose, eine einfache, unmissverständliche Antwort meines Körpers, und ich schämte mich nicht dafür. Scham hatte in unseren Gesprächen keinen Platz gehabt, nur Ehrlichkeit. Ich wollte sie. Ich wollte sehen, wie ein anderer Mann sie wollte, weil sie es so gewählt hatte, und weil ich ihr glaubte, wenn sie sagte, dass mein Dabeisein den Wunsch nicht kleiner machte, sondern schärfer. Das war keine Theorie mehr. Das war ihr Rücken unter seiner Handfläche, das war ihr Haar, das über seinen Unterarm fiel, das war der Moment, in dem sie die Augen öffnete und mich ansah, während sein Mund an ihrem Hals lag.
Sie führte ihn nicht sofort ins Schlafzimmer. Das Sofa war breit, bezogen mit einem hellen Leinen, und sie setzte sich, zog Jonas mit einem Blick neben sich, dann auf die Knie zwischen ihre Schenkel, die das Kleid noch bedeckte. Er kniete, ohne die Pose eines Dieners. Seine Hände ruhten auf ihren Knien, über dem Stoff. Darf ich, fragte er, und sie sagte ja, bevor das Wort ganz aus seinem Mund war. Er schob das Kleid ein Stück hoch, nur bis zur Mitte der Oberschenkel, und hielt inne. Marlene spreizte die Beine ein wenig weiter. Die Innenseite ihrer Schenkel war blass und warm im Lampenlicht. Ich kannte die kleine Narbe über ihrem linken Knie, einen alten Schnitt vom Segeln, und ich sah, wie Jonas sie mit dem Daumen streifte, nicht als Entdeckung, die er besitzen wollte, sondern als Haut, die da war.
Er küsste ihr Knie. Dann die Stelle darüber. Dann höher, langsam, und jedes Mal wartete er auf den Atem, den sie ihm gab. Marlene lehnte sich zurück, eine Hand im Polster, die andere in seinem Haar, nicht drückend. Ihr Blick fand mich wieder. Sie sagte meinen Namen, nur das, und die Silben lagen warm im Raum. Ich stand auf, weil Sitzen sich falsch anfühlte, und setzte mich auf die Armlehne des Sofas, nah an ihrer Schulter. Sie griff nach meiner Hand und legte sie an ihren Nacken. Die Haut dort war heiß. Jonas küsste weiter, Millimeter um Millimeter, bis der Saum des Kleides an ihrer Hüfte lag und der schwarze Slip sichtbar wurde, schlicht, schon ein wenig dunkler in der Mitte, wo der Stoff ihre Nässe angenommen hatte.
Marlene atmete durch den Mund. Jonas fragte noch einmal, leiser, ob er ihr den Slip ausziehen dürfe. Sie hob die Hüften als Antwort und sagte dabei ja, deutlich, damit auch ich es hörte. Er zog den Stoff herunter, über die Knie, über die Füße, und legte ihn neben das Weinglas, ordentlich, fast rührend in seiner Sorgfalt. Dann sah er sie an, offen, ohne die Augen sofort zwischen ihre Beine zu senken, und dieses Zögern machte sie ungeduldig auf die gute Art. Sie spreizte sich ihm entgegen. Das Licht fiel auf die feuchten Falten, auf die geschwollene kleine Kuppe ihrer Klitoris, auf die Glätte, die sie am Morgen rasieren wollte und dann doch nicht ganz ausgeführt hatte, ein weicher Schatten, den ich liebte. Jonas stöhnte leise, ein ehrlicher Laut, und senkte den Mund.
Die erste Berührung seiner Zunge war vorsichtig. Marlene zuckte trotzdem, nicht vor Schreck, vor Schärfe. Ihre Finger schlossen sich um meine Hand an ihrem Nacken. Ich spürte das Zittern in ihrem Arm. Jonas leckte sie langsam, von unten nach oben, flach, dann mit der Spitze, und er lernte schnell, wo sie die Luft anhielt. Als er die Klitoris umkreiste, ohne sie sofort zu bedrängen, entkam ihr ein kurzes, hohes Ah, das sie sonst nur mir gab. Der Laut traf mich zwischen den Rippen. Ich beugte mich vor und küsste ihre Schläfe. Sie drehte das Gesicht und suchte meinen Mund, während Jonas zwischen ihren Schenkeln arbeitete, und der Kuss war unordentlich, nass von ihrem Atem, voll von dem Geschmack, den sie nicht versteckte.
Sie sagte ihm, was sie wollte, nicht in schmutzigen Befehlen, sondern in klaren Worten. Langsamer. Ja, dort. Ein wenig fester. Jonas gehorchte nicht wie ein Werkzeug. Er hörte zu und veränderte den Druck, und als sie die Hüften hob, hielt er ihre Oberschenkel mit beiden Händen, fest genug, um sie zu tragen, nicht fest genug, um sie festzuhalten gegen ihren Willen. Das war ein Unterschied, den man sieht, wenn man ihn einmal besprochen hat. Ich sah ihn. Ich sah auch, wie ihre Brust sich hob, wie die Brustwarzen sich unter dem Kleid abzeichneten, und ich öffnete mit der freien Hand den oberen Knopf, dann den zweiten, bis der Stoff auseinanderfiel und ihre Brüste frei lagen, schwer, mit dunklen Höfen, die sich zusammenzogen, als die Luft sie traf.
Jonas hob den Kopf, sah ihre Brüste, sah mich, und wartete. Marlene zog ihn hoch zu sich und küsste ihn, schmeckte sich selbst auf seiner Zunge und schien daran nicht zu zweifeln. Dann sagte sie, er solle das Hemd ausziehen. Er tat es. Seine Brust war breit, mit einem leichten dunklen Haar, die Haut am Bauch warm, als Marlene die Hand darauf legte und nach unten strich, über den Gürtel, über die deutliche Härte in seiner Hose. Sie öffnete den Gürtel selbst. Der Laut der Schnalle war im stillen Haus sehr laut. Jonas half ihr, die Hose und die Shorts herunterzuschieben, und sein Glied stand frei, dick, leicht nach oben gebogen, die Eichel schon feucht. Marlene betrachtete es ohne Hast. Ihre Finger schlossen sich darum, prüfend, und Jonas schloss die Augen für eine Sekunde, die Kiefermuskeln sichtbar.
Ich spürte meine eigene Erektion gegen den Stoff drücken und öffnete den Knopf meiner Hose, nicht um mich vorzudrängen, sondern weil der Druck schmerzte. Marlene bemerkte es. Ihre Hand ließ Jonas nicht los, aber ihr Blick glitt zu mir, und darin lag etwas Warmes, fast Dankbares, als freue sie sich, dass mein Körper nicht log. Später, sagte sie leise zu mir, und das Wort war ein Versprechen, kein Aufschub aus Pflicht. Ich nickte. Jonas öffnete die Augen wieder und fragte, ob er sich setzen solle. Sie schüttelte den Kopf. Sie wollte ihn stehen lassen, für einen Moment, und sie rutschte vom Sofa auf die Knie, das Kleid um die Hüften gerafft, die Brüste frei, das Haar nach vorn fallend.
Bevor sie ihn in den Mund nahm, sah sie zu mir hoch. Das war nicht die Bitte um Erlaubnis. Das war das Teilen des Augenblicks. Ich legte die Hand an ihren Hinterkopf, nicht um sie zu führen, nur um da zu sein, und sie lehnte sich eine Sekunde in diese Berührung, dann öffnete sie die Lippen und nahm die Eichel auf. Jonas stöhnte ihren Namen. Seine Hand suchte die Sofalehne, nicht ihr Haar. Auch das hatten wir gesagt: Er greift nicht in ihr Haar, es sei denn, sie legt seine Hand dorthin. Marlene arbeitete langsam, die Zunge unter dem Schaft, die Lippen fest, eine Hand an seiner Hüfte, die andere um die Wurzel. Speichel glänzte. Sie nahm ihn tiefer, bis ihre Augen feucht wurden, und zog sich zurück, atmete, lächelte kurz über die eigene Gier und nahm ihn wieder.
Ich kniete mich neben sie auf den Teppich, weil der Sessel zu weit weg war von dem, was in mir vorging. Der Teppich war rau unter meinen Knien. Ich küsste ihre Schulter, die bloße, warme Haut, und roch sie, diesen Duft, der sich mit dem Wein und mit Jonas’ Haut mischte und trotzdem sie blieb. Marlene drehte den Kopf, Jonas’ Glied noch an ihren Lippen, und sah mich an mit einem Blick, der halb verschleiert war vor Lust und halb völlig klar. Ihre freie Hand fand meinen Oberschenkel und drückte zu. Sie wollte mich nah. Sie wollte nicht, dass ich zum Zuschauer ohne Körper wurde. Ich öffnete meine Hose ganz und schob sie herunter, und als ihre Finger mein Glied umschlossen, war die Erleichterung so groß, dass ich die Stirn an ihre Schulter legte und einen Laut nicht zurückhielt.
Jonas stand still, die Brust hebend, und wartete, bis sie ihn wieder ansah. Sie tat es. Sie wechselte zwischen uns nicht wie zwischen Aufgaben. Sie nahm ihn wieder in den Mund, langsam, drei, vier Züge, und ihre Hand an mir bewegte sich im selben Takt, feucht von dem, was ihre Handfläche von seiner Haut mitgebracht hatte. Dann ließ sie ihn los, stand auf, das Kleid noch halb an den Armen, und sagte, sie wolle ins Schlafzimmer, auf das Bett, und sie wolle, dass wir beide mitkämen. Wir gingen hinter ihr her durch den kurzen Flur. Das Schlafzimmer war schlicht, ein breites Bett, weiße Laken, ein Fenster zum See, das sie nicht schloss. Die Nachtluft kam herein, kühl an den Knöcheln, warm genug an der Haut.
Marlene ließ das Kleid fallen. Sie stand nackt zwischen uns, nicht als Geschenk, das man auspackt, sondern als Frau, die entschieden hat, gesehen zu werden. Ihre Hüften, der weiche Bauch, den sie manchmal versteckt und den ich liebe, die Kurve ihres Rückens, die dunkle Linie zwischen ihren Schenkeln: alles im Lampenlicht, ohne Pose. Jonas zog den Rest seiner Kleidung aus. Ich auch. Für einen Moment standen wir drei einfach da, und niemand lachte die Ernsthaftigkeit weg. Marlene legte eine Hand auf Jonas’ Brust und eine auf meine. Ihr Puls war in den Fingerspitzen zu spüren. Sie sagte, dass sie ihn in sich wollte, mit dem Kondom, und dass ich neben ihr liegen sollte, nah genug, dass sie mein Gesicht sehen konnte. Jonas holte das Kondom aus der Tasche seiner Hose, die er mitgebracht hatte, und streifte es über, sorgfältig, ohne Theater.
Sie legte sich auf den Rücken, die Knie geöffnet, ein Arm ausgestreckt zu mir. Ich legte mich an ihre Seite, den Oberkörper aufgestützt, und küsste ihre Brust, die Warze, die sich unter meiner Zunge verhärtete. Jonas kniete zwischen ihren Beinen. Er setzte die Eichel an ihre Öffnung und hielt inne. Marlene atmete ein. Sie sagte ja. Er drang ein, langsam, Zentimeter um Zentimeter, und ihr Mund öffnete sich zu einem langen, tonlosen Laut, der dann doch Ton wurde, tief, aus dem Bauch. Ich sah, wie ihr Körper ihn aufnahm, wie die Muskeln an ihren Schenkeln arbeiteten, wie sie die Ferse in die Matratze stemmte, um ihm entgegenzukommen. Jonas fluchte leise, ehrfürchtig, und blieb still in ihr, bis sie die Hüften kreisen ließ und ihm damit sagte, dass er sich bewegen durfte.
Er stieß langsam. Jeder Stoß war vollständig, ein Zurückweichen bis fast zum Ausgang und ein Wiedergleiten, das sie ausfüllte. Das Kondom glänzte. Ihre Nässe war hörbar, ein leises, nasses Geräusch, das mich mehr erregte als jedes gesprochene Wort. Marlene hielt meine Hand und führte sie zwischen ihre Beine, auf die Klitoris, und ich rieb sie in dem Rhythmus, den ich kannte, klein, kreisend, nicht zu fest. Jonas passte sich an. Wenn ich langsamer wurde, wurde er langsamer. Wenn sie die Hüften hob und mehr wollte, gab er mehr, ohne in ein Hämmern zu verfallen, das sie nicht verlangt hatte. Ihr Kopf lag auf dem Kissen, das Haar ausgebreitet, die Augen halb geschlossen, und immer wieder öffnete sie sie und sah mich an, als wolle sie sicher sein, dass ich noch in demselben Ja stand wie sie.
Ich war in demselben Ja. Mein Glied lag schwer an ihrem Hüftknochen, und jedes Mal, wenn Jonas in sie stieß, bewegte sich ihr Körper gegen mich, eine Reibung, die mich atemlos machte. Ich küsste ihren Mund. Sie küsste zurück, unterbrochen von Lauten, die in meinen Mund wanderten. Jonas beugte sich vor, stützte sich neben ihrer Schulter ab, und fragte, ob der Winkel gut sei. Sie sagte, tiefer, ein wenig, und er veränderte die Haltung, hob ihr Becken mit einem Kissen, das ich ihm reichte, und der nächste Stoß ließ sie laut werden, einen kurzen Schrei, der im Haus nicht versteckt werden musste, weil niemand außer uns da war. Sie lachte danach, atemlos, und sagte, genau so, und Jonas wiederholte den Winkel mit einer Konzentration, die fast zärtlich war.
Die Zeit dehnte sich. Ich verlor das Gefühl dafür, wie viele Minuten vergingen, und behielt nur die Folge der Empfindungen: ihre Brustwarze unter meinem Daumen, der Geschmack ihrer Haut, das Zucken ihrer Bauchmuskeln, Jonas’ Atem, der schwerer wurde, das leise Klatschen, wenn er tiefer ging und ihre Nässe das Geräusch weicher machte. Marlene sagte meinen Namen und seinen, nicht durcheinander, sondern nacheinander, als ordne sie die Lust, damit sie nicht auseinanderfiel. Einmal hob sie die Hand und legte sie an Jonas’ Wange. Er drehte den Kopf und küsste ihre Handfläche, ohne den Rhythmus zu verlieren. Diese kleine Geste rührte mich auf eine Art, die ich nicht erwartet hatte. Es war kein Diebstahl. Es war eine Nacht, die wir geöffnet hatten, und in der Höflichkeit und Gier denselben Tisch teilten.
Sie wollte die Stellung wechseln. Sie sagte es klar, und Jonas zog sich zurück, hielt das Kondom fest, wartete. Marlene drehte sich auf die Seite, den Rücken zu mir, das Gesicht zu ihm, und führte ihn wieder in sich, von vorn, ein Bein über seine Hüfte gelegt. Ich lag hinter ihr. Meine Brust an ihrem Rücken, mein Glied zwischen ihren Pobacken, nicht in ihr, nur an ihr, gleitend in der Feuchtigkeit, die von ihr auf mich überging. Sie griff nach hinten und hielt mich an der Hüfte, zog mich enger. Jonas bewegte sich in kurzen, tiefen Stößen. Ich küsste ihren Nacken und flüsterte, dass sie schön sei, nicht als Floskel, sondern weil es in diesem Licht und in diesem Laut die genaueste Wahrheit war. Sie drückte meine Hand auf ihre Brust und sagte, fester, und ich knetete sie, spürte das Gewicht, die harte Warze zwischen den Fingern.
Marlene wurde unruhiger. Ihre Atemzüge kürzer. Sie sagte Jonas, er solle nicht schneller werden, nur gleichmäßig bleiben, und sie sagte mir, ich solle die Klitoris nicht verlassen. Ich gehorchte ihr gern. Meine Finger fanden die geschwollene Stelle zwischen ihren Beinen, glitschig, heiß, und ich rieb sie in dem kleinen Kreis, der sie sonst über die Kante trägt, wenn wir allein sind. Jonas hielt den Takt. Sein Gesicht war angespannt, die Stirn feucht, und er sah sie an, als sei ihr kommender Höhepunkt eine Sache, die man nicht stiehlt, sondern begleitet. Marlene begann zu zittern. Ein Laut stieg in ihr auf, brach ab, stieg wieder, und dann kam sie, lang, mit einem Schrei, der in ein Stöhnen überging, die inneren Muskeln so deutlich arbeitend, dass Jonas die Zähne zusammenbiss und stillhielt, tief in ihr, während die Wellen durch sie liefen und gegen meine Hand und gegen seinen Schaft schlugen.
Sie weinte nicht. Sie lachte auch nicht sofort. Sie atmete, zitternd, und hielt uns beide fest, eine Hand in Jonas’ Haar, die andere um mein Handgelenk, als fürchte sie, die Welt kippe, wenn einer von uns sich zu früh entfernte. Ich küsste ihre Schulter wieder und wieder. Jonas fragte, sehr leise, ob er sich bewegen dürfe. Sie sagte, noch nicht, einen Moment, und er blieb, wo er war, hart in ihr, geduldig auf eine Art, die Achtung war und nicht Kalkül. Als ihr Atem sich senkte, sagte sie, er dürfe kommen, wenn er wolle, und er dürfe sich dafür bewegen, aber sie wolle ihn dabei ansehen. Er zog sich ein Stück zurück und stieß wieder, kontrolliert, und sie hielt seinen Blick. Es dauerte nicht lange. Sein Rhythmus zerbrach, wurde kürzer, und er kam mit einem tiefen, gepressten Laut, die Stirn an ihrer, die Hände im Laken neben ihrem Kopf, nicht an ihrem Hals. Das Kondom hielt. Er blieb noch einen Atemzug in ihr, dann zog er sich vorsichtig zurück, hielt den Rand fest und entsorgte es in dem kleinen Beutel, den er mitgebracht hatte, ohne eine Bemerkung, die den Moment kleiner gemacht hätte.
Marlene drehte sich zu mir um. Ihr Gesicht war gerötet, die Lippen geschwollen, die Augen klarer, als ich nach einem solchen Höhepunkt erwartet hatte. Sie küsste mich, langsam, und ihre Hand fand mein Glied, das noch hart war, feucht von ihr. Jonas setzte sich auf die Bettkante, den Rücken zu uns, nicht aus Scham, sondern weil die Abmachung sagte, dass der Abschluss uns gehörte, sofern sie es so wollte. Sie wollte es so. Sie flüsterte es ihm zu, dankbar und ohne Kälte, und er nickte, zog seine Hose an, nicht das Hemd, und ging in das Wohnzimmer, die Tür einen Spalt offen, wie wir es besprochen hatten: nah genug, falls das Wort Ruhe doch noch käme, weit genug, um uns die nächsten Minuten nicht zu beobachten.
Ich legte mich auf sie, weil sie mich hinzog, und sie führte mich in sich, ohne Kondom, so wie wir es immer taten, wenn nur wir beide da waren und sie es wollte. Sie war eng und sehr nass und noch empfindlich, und der erste Stoß ließ sie zischen, dann seufzen, dann die Beine um meine Hüften schlingen. Ich bewegte mich langsam. Es ging nicht um einen Vergleich. Es ging darum, in ihr zu sein, nachdem ich gesehen hatte, wie sie sich genommen hatte, was sie wollte, und nachdem sie zu mir zurückgekommen war, nicht als Trost, sondern als Fortsetzung. Sie sagte das sogar, mitten in einem Stoß, die Stimme rau: Das ist keine Entschuldigung. Das ist auch die Nacht. Ich verstand sie. Ich küsste sie dafür so tief, dass unsere Zähne aneinanderstießen, und wir lachten kurz in den Kuss hinein, dann nicht mehr, weil die Lust wieder ernst wurde.
Ich kam nicht sofort. Ich wollte ihr Gesicht sehen, die Art, wie sie die Unterlippe zwischen die Zähne zog, die Art, wie ihre Hände über meinen Rücken wanderten und an den Schulterblättern Halt suchten. Draußen schlug das Boot wieder an den Steg. Drinnen roch es nach Sex und nach der Nachtluft und nach ihrer Haut. Marlene hob das Becken und nahm mich tiefer, und als ich spürte, dass ich nicht mehr halten konnte, sagte ich es ihr. Sie hielt mich fest und sagte, ja, in mir, und ich kam in langen Stößen, das Gesicht an ihrem Hals, ein Laut, den ich nicht kannte und der trotzdem meiner war. Sie strich mir über den Hinterkopf, während ich zuckte, und flüsterte meinen Namen, bis ich still wurde.
Wir blieben liegen. Mein Gewicht auf ihr, dann, als ich mich zur Seite rollte, ihr Kopf auf meiner Brust. Zwischen unseren Beinen kühlte die Nässe. Ich zog das Laken über ihre Hüfte, nicht über ihr Gesicht. Eine Weile sagten wir nichts. Ihr Finger zeichnete eine langsame Linie auf meinen Rippen. Ich spürte, wie der Körper nachließ, nicht in Leere, sondern in eine Müdigkeit, die satt war. Aus dem Wohnzimmer kam kein Geräusch außer dem leisen Klirren eines Glases, das Jonas vermutlich abräumte. Auch das hatten wir erlaubt: Er durfte warten, bis sie ihn rief oder fortschickte, und er durfte sich nicht im Haus verlieren, als gehöre es ihm.
Marlene hob den Kopf. Ihre Augen waren weich und wach zugleich. Sie fragte mich, ob ich noch in der Abmachung sei, nicht ob es mir gut gehe auf eine Art, die eine Lüge verlangt. Ich sagte, ja. Ich sagte, dass der lange Blick mich mehr getroffen habe als alles Danach, und dass das Danach mich nicht kleiner gemacht habe. Sie hörte zu, ohne zu nicken wie eine Lehrerin. Dann sagte sie, dass sie sich gewollt gefühlt habe, von ihm und von mir, und dass das Wort Ruhe nicht in ihr gewesen sei, nicht einmal am Rand. Das war die Auskunft, die ich brauchte, nicht als Beweis, sondern als Teilung. Ich küsste ihre Stirn. Sie stand auf, nackt, ging zur Tür und rief Jonas mit ruhiger Stimme herein, nicht ins Bett, nur in den Rahmen.
Er kam, das Hemd inzwischen zugeknöpft, die Schuhe in der Hand. Er sah uns an, sie stehend, mich im Bett, und in seinem Gesicht lag keine Forderung. Marlene dankte ihm, schlicht, und sagte, dass die Nacht für ihn hier ende, wie besprochen, und dass der Morgen uns gehöre. Jonas nickte. Er sagte, es sei schön gewesen, und er meinte es ohne Besitz. Er sah mich an und sagte dasselbe, kürzer, und ich erwiderte, dass er sich an alles gehalten habe, was galt. Das war kein Zeugnis. Das war der Schluss, den wir uns schuldig waren. Er zog die Schuhe an der Tür an, nahm seine Tasche und ging durch das Wohnzimmer nach draußen. Der Kies knirschte. Ein Motor sprang an, leise, und entfernte sich die Straße am Wasser entlang, bis nur noch der See blieb.
Marlene kam zurück ins Bett. Sie legte sich nicht sofort an mich. Sie setzte sich auf die Kante, trank einen Schluck Wasser aus dem Glas auf dem Nachttisch und reichte es mir. Wir tranken nacheinander. Dann löschte sie die Lampe. Im Dunkeln war der See ein breiter, matter Streifen unter dem Himmel, und ihr Körper fand meinen ohne Suche. Sie schob ein Bein zwischen meine. Ihre Hand lag flach auf meinem Herzen. Ich fragte, ob sie schlafen wolle. Sie sagte, noch nicht ganz. Sie wollte die Abmachung noch einmal hören, nicht weil sie zweifelte, sondern weil Worte nach der Berührung anders wiegen. Ich sprach sie leise aus. Sie bestimmt. Ich bin hier. Ruhe beendet alles. Keine Bilder. Der Morgen gehört uns. Sie wiederholte den letzten Satz und fügte hinzu, dass auch die nächste Nacht diesem Satz gehöre, falls wir sie noch wollten, und falls nicht, sei auch das die Abmachung.
Ich sagte, dass ich die nächste Nacht noch wollte, langsam, mit demselben Blick am Anfang, nicht als Kopie. Sie lachte leise an meiner Brust, ein Laut ohne Spott. Draußen tickte das Boot. Drinnen kühlte ihre Haut, und ich zog sie enger, bis die Wärme wieder zwischen uns stand. Marlene küsste die Stelle über meinem Herzen, einmal, und dann noch einmal, als setze sie ein Zeichen, das kein Fremder lesen musste. Ich hielt sie, wach, satt, und mit dem klaren Wissen, dass nichts von dem, was geschehen war, gegen uns gesprochen hatte. Es hatte in der Sprache gesprochen, die wir vorher gewählt hatten. Das Wochenende war nicht vorbei. Die Nacht aber war geschlossen, rund, und sie gehörte uns, auch dort, wo ein anderer Mann sie mit uns geteilt hatte, weil wir es so gewollt hatten und weil sie es so geführt hatte, von dem langen Blick bis zu der letzten Berührung meiner Hand an ihrem Rücken.
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